BLOG 30 – Alles hat ein Ende

Von einem Land in das Andere ohne großes Theater, Schengen sei Dank. Wie oft habe ich das an nervenaufreibenden Grenzübergängen gedacht. Stundenlange Prozeduren in gleißender Sonne. Nach Prüfung der Tickets geht es auf die Fähre nach Bari / Italien. Im Zielhafen fahre ich ohne weitere Kontrollen auf die Straßen von Bella Italia – schwupp.

Auf dieser Reise kehre ich nun auch Griechenland den Rücken, was hab ich mich hier wohlgefühlt!

Italien verspricht gutes Essen, Kaffeekultur, und viel unbekannte Landschaft. Bekannt sind mir von Italien nur Bozen und Südtirol, das Piemont und Venedig, also viel zu entdecken. Aber nicht mehr auf dieser Transitstrecke. Die Durchfahrt ist nur zum Appetit holen, und der ist bei der Grenzüberquerung nach Österreich gewaltig geworden. In mir reifen die neuen Touren über die Westalpen in den Norden und die Mitte Italiens, dann über Slowenien zurück. Mal sehen. Aber nicht so schnell, ich bin ja gerade erst von der Fähre gefahren.

Monte Cassino, das berühmte Kloster des Benediktiner Ordens, ist mein erstes Ziel.

Die Lage und die Geschichte im letzten Jahrhundert haben es für mich zum Ziel gemacht. Die Nacht verbringe ich auf dem Parkplatz des Klosters. Mit dem Morgen kommt der Regen und es soll den ganzen Tag nicht aufhören. Ich nutze die Zeit davor, um meine Drohne fliegen zu lassen. Man bekommt einen ganz anderen Eindruck aus 120m Höhe. Ich nutze das erlaubte Limit aus, um die Größe des Gebäudes gut in Szene zu setzen. Ich bin beeindruckt, von der Größe und der Lage hoch über der Ebene. Die Tore öffnen sich. Ein Eintrittsgeld wird nicht erhoben. Dafür erwerbe ich im Buchladen des Klosters Lektüren zur Vertiefung des Erlebten. Als Besucher sind mir viele Bereiche unzugänglich, aber was ich sehe ist spektakulär. Gern wäre ich noch in die Katakomben unter den starken Mauern gestiegen, aber leider versperren Gittertüren den Zugang. Wieder ein Ort abgehakt auf meiner Liste der „Da muss ich unbedingt noch hin Plätze der Welt“.

Lazio, Umbrien, Marken, Emilia-Romagna und die Lombardei sind die Regionen auf meinem Weg nach Österreich. Bergdörfer, Seen, fantastischer Sonnenaufgang, die gewaltige Po Ebene und schließlich der Aufstieg in die Alpen. Wechselhaftes Wetter, kalte Nächte lassen mich erahnen wie es weiter gehen wird. So fühlt es sich also an, das frostige Ende der Reise.

Österreich, der erste Schnee, das erste Mal Temperaturen unter dem Gefrierpunkt. Das Positive, ich friere nicht im Auto. Mit Heizung kann ich sehr gut im T-Shirt sitzen. Meine Schlafsackkombination hält mich nachts warm. Unangenehm ist nur der Morgen. Aber auf dem Wohnmobil-Stellplatz in Tirol wartet eine heiße Dusche, die mich fit macht für den Tag. In Tirol ist es untersagt frei zu campen, wird man erwischt sind die Strafen erheblich. Zum Frühstück soll es heute etwas Besonderes sein. Naja, wer jetzt denkt, der gönnt sich richtig was, liegt falsch. Bescheiden wie ich bin, oder geworden bin, wünsch ich mir nur eine frische Brezel mit Butter und Kaffee. Da hab ich mich schon lange drauf gefreut. Und ich muss gar nicht weit fahren. Die Bäckerei die meine Aufmerksamkeit auf sich zieht, liegt nur 8 Kilometer entfernt. Ich fahre auf einer wunderschönen Landstraße parallel zur Brennerautobahn. Vorbei an kleinen Kapellen und Berggipfeln, die die Sonne im Morgenlicht erstrahlen lässt. Ein Idyll.

Es geht über die Grenze nach Deutschland, nähe Innsbruck auf Nebenstraßen. Ein Schild, ein flüchtiger Moment und doch geht damit meine Reise zu Ende. Ein Schild und ich bin nicht mehr krankenversichert. Die ADAC Langzeitkrankenversicherung ist erloschen. Die Bundesagentur für Arbeit konnte mich nicht bei meiner Krankenkasse melden. Ein blödes Gefühl. Ein Unfall bei dem ich zu Schaden komme, und ich bin ruiniert. Immerweiter! Autobahn bis nach Südniedersachsen. Kilometer fressen. Ab jetzt kostet pinkeln wieder einen Euro, der Kaffee über drei Euro und der Diesel an den Autobahnen 20 Cent mehr als auf der Landstraße – warum? Aber der Tank ist voll, ich kann durchrauschen. Aber ich will mir noch eine letzte Frage beantworten. Warum steht Walhalla an der Donau in Bayern und nicht da wo es hingehört, in den hohen Norden, in Odins Reich? Es ist ein kleiner Abstecher nach Donaustauf. Ich fahre über die Donau, der Regen, die Wolken, das Grau ist einem kühlen Blau und prächtiger Fernsicht gewichen. Verrückt! Dieses Walhalla ist ein Bauwerk von König Ludwig von Bayern. Genau, der Ludwig, der auch Schloss Neu Schwanstein bauen ließ. Der Märchenkönig. Eine wunderbare Idee steht dahinter. Ein Ort des Gedenkens soll es sein. Zig Büsten bedeutender Persönlichkeiten seit Beginn des 19 Jahrhunderts. Ich rätsele bei vielen Namen, einige sind aber wohl bekannt aus Musik, Politik und Forschung, Mozart, Beethoven, Adenauer, Gauß, etc. Ein wunderbares letztes Ereignis.

Ja, damit soll es vorbei sein, interessante Orte auf seinem Weg zu finden, und nach den Geschichten und Ereignissen dahinter zu spähen. Neugierde freien Lauf lassen und Geheimnissen auf die Spur kommen. Das gilt natürlich auch, oder besonders für die Schönheiten der Natur. Mir fällt sofort „Edge of the world“ in Saudi Arabien ein, habe Bilder von den schönsten Wasserfällen Thailands vor Augen, spüre noch einmal die klare, kalte Luft der kirgisischen Berge in der Nase, und dann noch die Steppen in Usbekistan und Kasachstan.

Länder und Orte mit bleibenden Erinnerungen fallen wie Dominosteine vor meinem inneren Auge. Ich werde Wochen brauchen alles zu sortieren und zu verarbeiten. Eine Auswertung, ein Fazit sollen muss folgen. Wie steht es um Henry, dem treuen Kerl? Wie hat er alles überstanden? Putzen und fertig? Nein, es gibt noch das eine oder andere zu optimieren. Viel Kram habe ich auf der Tour nicht gebraucht. Werde ich das nochmal mitschleppen? 1000 Fragen, abertausend Fragen schwirren mir im Kopf umher.

„Und wenn du einfach still verharrst, bemerkt dich dann das Glück?“ Diese Zeile aus einem Song von ASP beschreibt es genau. Wäre ich in meinem Trott verharrt, hätte ich all das Glück nicht gesehen. Uns so ist nach der Reise vor der Reise – immerweiter.

Danke für euer Interesse an meiner Reise. Und bei Fragen schreibt mir gern.

Es wird noch eine statistische Aufarbeitung auf YouTube und hier geben.

Die Heimreise im Bewegtbild noch einmal auf YouTube – viel Spaß dabei.

7 Antworten auf “BLOG 30 – Alles hat ein Ende”

  1. Bleibt für mich nur zu sagen: Vielen Dank, dass ich mitreisen durfte, verbunden mit dem Wunsch, dass Du noch einige aufregende Reisen erleben solltest. Möge dein Gefährt immer eine Handbreit Boden unter den Pneus haben.

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    1. Moin Michael,
      freut mich, dass ihr beide gesund und unbeschadet euren Weg zurück gefunden habt.
      Bin gespannt was die Zukunft für dich und Henry vorgesehen hat.
      Danke für das Teilhaben deiner Reise.

      Gesunde Grüße

      Oliver

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      1. Ich vermute mal „4wheeldrived“……. bis Tage falls der Weg in die Gegend um das schwäbische Meer führen sollte kurz Bescheid geben, würde mich freuen euch beide zu sehen.

        Gesunde Grüße

        Oliver

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  2. Hallo Michael,
    habe mich setzt auf Dein Youtube Film am Wochenende gefreut, bin mal gespannt wie lang Du den
    alltags Irrsinn standhälts, und nicht spontan mit Henry davon schaukelst 😉
    Meine Besten Wünsche in den Alltag.

    Grüße
    Robert

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