BLOG 26 Aserbaidschan

Welch ein Glück, dass es mit der Einreise geklappt hat. Hätte ich mich die Angaben des Auswärtiges Amtes verlassen, wäre nur der Transit durch Russland möglich gewesen. In den Länderinfos sind alle Einzelheiten aufgeführt.

Endlich im Land nach anstrengendem Nachtflug und Taxifahrt zum Hafen Alat.  Aqtau in Kasachstan und Alat in Aserbaidschan, Schlüsselpositionen auf der Transkaspischen Handelsroute.

Beide Häfen sind stark am Wachsen. Der Warenverkehr auf LKW und Schiene verläuft über das Kaspische Meer, die Flotte der Schiffe nimmt zu. Muss auch, denn 2022 wurden 1,7 Mio Tonnen abgewickelt, für 2023 soll es eine deutliche Steigerung geben, so die Ankündigungen im Hafen von Aqtau. Dieser Handelsweg war mir vorher nicht bekannt, und wenn ich mir die Wege von China nach Europa anschaue, dann ist dieser Weg der Nachfolger der legendären Seidenstraße. Reisen bildet!

Bin auf der Straße nach Baku, SIM Karte kaufen. Eines der wichtigsten Dinge im neuen Reiseland. Es ist wieder heiß, bis zu 38°C. Da bleibt nur der Stopp an einer Badestelle am Meer.

Die Wellen drücken mächtig an den Strand, der Untersog hat mir glatt die Füße weggezogen, hat keiner gesehen. Duschen kann man für 20 Cent. Doch die Erfrischung wirkt nur kurz. Die Einfahrt in die Stadt ist eine Überraschung. Kolossale Bauten an breiten Straßen, rechts eine langgestreckte Promenade. Gute Kulisse für die Formel 1, die hier ihre Runden auf dem Stadtkurs abspult.

Eine Mall, moderne Oase in der Hitze, Abkühlung, Entspannung und WLAN. Blinker rechts und schon eingeparkt. Modernste Architektur und ein cooles amerikanisches Restaurant, wie es im Film Pulp Fiction zu sehen ist. Ich hätte alles erwartet, aber dies nicht – großartig.

Ich laufe die Promenade entlang, genieße das Treiben der Einheimischen in Cafes und die schattigen Plätze. Luxusyachten haben hier festgemacht.

Bin ja eher der Outdoor Fan, mag Städte nur bedingt, aber dieses Baku gefällt mir. Ich wollte auf dem Parkplatz übernachten, aber er füllt sich zusehends je später es wird. Die Restaurants sind gut besucht, es ist lauschig warm und die Lichtspiele auf den drei Flammen machen den Ort zu etwas Besonderem. Mir wird es aber zu viel in meiner Ecke. Kurz vor Mitternacht fahre ich raus ans Meer und verbringe die Nacht dort. Und weil es so schön ist gleich eine zweite hinterher. Dann nochmal nach Baku, die Altstadt anschauen.

Große Mauern außen rum, ein Turm, sauber und nett, aber nicht umwerfend. Das reicht dann auch mit Stadt, es ist quälend heiß. Schnell wieder ans Meer, diesmal nördlich. Henry bekommt seinen Ölwechsel Nr. 5, dann geht es durch die Steppe in die Ausläufer des Großen Kaukasus. Wird es endlich kühler? Zwischen Fluss und Wald finde ich einen Idyllischen Picknick Platz, der prädestiniert ist, mich zu beherbergen.

Ein schattiges Plätzchen an einem Bach, Himbeeren zur direkten Verkostung am Busch. Die Nacht ist kühl, so hab ich es mir gewünscht. Entlang der Straßen findet man unter den Eichen schattige Restaurants. Tische und Stühle stehen verteilt unter den Bäumen. Einige haben kleine Hütten bei schlechtem Wetter. Die Küche ist der zentrale Ort hinter der Einfahrt. Sehr angenehm.

Die Vegetation scheint gesund zu sein, zumindest das, was ich durch meine Laienbrille sehen kann. In der Nähe gibt es einen historischen Ort, Lahic. Bekannt für die Blech und Kupferhandwerk. Schöne Anfahrt in die Berge. Auf dem Parkplatz eines Restaurants bleibe ich für die Nacht. Die Natursteinhäuser passen hervorragend in die Landschaft, überall hört man Hämmern und Kloppen.

Den schönen Abschluss des Tages verbringe ich einem Teehaus mit schönem Blick über ein mächtiges Flussbett, das wohl vorwiegend zur Schneeschmelze gewaltige Wassermassen führen muss, die Breite lässt darauf schließen.

Auf der Strecke nach Georgien liegt Seki, ein größerer Ort mit historischem Stadtkern. Ich mache vorher noch einen Abstecher in ein Skigebiet und bin erst am Abend dort. Einmal durch, den Hügel rauf zu einem Restaurant mit Camping, 5€ die Nacht für einen schattigen Platz. Der Ort hat einiges zu bieten. Die alte Karawanserei ist ein wichtiger Baustein für mein Bild der Seidenstraße. Dicke Mauern, gewaltige Abmessungen, waren sie der Schutz für die Händler mit ihren Tieren und den Waren für die Nacht. 1a restauriert, kann man sich hier gut vorstellen, wie es früher gewesen ist. Und im Innenbereich die Skulpturen von Kamelen. Hier schießt mir plötzlich der Gedanken in den Kopf, dass der Handel und die Seidenstraße nur existierten, weil diese Tiere in der Lage waren, die Waren zu tragen und in der Wüste zu überleben. Da die Seidenstraße nicht nur ein Handelsweg war, sondern maßgeblich zur Entwicklung der Kulturen in Ost und West beigetragen hat, steht die Frage im Raum, wie sich die Geschichte ohne Kamele abgespielt hätte. Spannender Gedanke ohne Antwort.

Tags drauf ist das Wetter stürmisch und verregnet. Mein ausgesuchter Übernachtungsplatz an einem Wasserfall nicht zu erreichen. Zurück auf die Hauptstraße nach Georgien. Die Entfernungen sind nicht groß, die Grenze plötzlich vor mir. Also angestellt und rüber, dann ist heute halt Georgien schon an der Reihe.

Meine Erlebnisse in Aserbaidschan in bewegten Bildern, wieder auf meinem YouTube Kanal. 😊 

4 Antworten auf “BLOG 26 Aserbaidschan”

  1. Hallo Michael, habe soeben deine Blogs und den Vlog entdeckt! Bin ganz begeistert. Endlich einmal tolle Infos. Nach Südamerika, Kanda und Alaska planen meine Frau und ich nämlich auf der Seidenstraße nach China zu reisen. Die aktuelle Informationen (also nach 2019) sind sehr rar, umso glücklicher sind wir deine Berichte gefunden zu haben. Hanseatischen Gruß aus Bremen, WuM

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      1. Vielen Dank für das Angebot. Ich kann mir gut denken, dass ich darauf zurückkommen werde.

        Jetzt ist erst einmal eine grobe Planung dran. Vorerst ist eine Nordroute nach China, über Kasachstan und Mongolei geplant, jeweils mit kurze Transit über Russland. Der Rückweg über eine Südroute, so wie Du sie gefahren bist. Entscheidend ist die Route in China. Erst wenn die feststeht, kann alles andere geklärt werden.

        Bis dahin verfolgen wir weiter deine Reise und erfreuen uns in froher Erwartung an deine Bilder, Videos und Berichte.

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