BLOG 22 – Laos

Laos, das kleine Land nördlich von Thailand. Bestimmt vielen gar kein Begriff. Nachdem die Entscheidung gefallen war, auf der Seidenstraße weiter zu fahren, stand das kleinste und ärmste Land Südostasiens plötzlich als nächstes auf der Liste. Was wusste ich von Laos? Hauptstadt Vientiane und schwer gebeutelt vom Vietnamkrieg. Sonst noch was? Nee, nicht der Erwähnung wert.

Grenze Thailand raus, Grenze Laos mit 30 Tage Visa on arrival, schwupp drin, und schwupp über den Mekong in die Hauptstadt. Und was soll ich sagen? Es ist wieder Rechtsverkehr! Das hatte ich nicht erwartet, links fahren, wie überall in Südostasien, warum soll das hier anders sein? Kein Hinweis, plötzlich Gegenverkehr auf der eigenen Spur. Schnell gemerkt und korrigiert, nichts passiert, hat fast keiner gesehen.

Laos, seit 1975 marxistisch-leninistisches Einparteiensystem als Staatsform. Merkt man’s? Oh ja! Viel ist verkommen, in schlechtem Zustand. Die Straßen, die Häuser und das große Kaufhaus in der ich eine SIM Karte erwerben möchte ziemlich hin und kaputt. Was ist hier los? Warum ist es hier nicht wie in Thailand? Warum verbindet die Freundschaftsbrücke Nr 1 nur geographisch aber nicht die Lebensstandards?

Warum liegt wieder so viel Müll rum? Der Staat hat kein Geld, um alles in Ordnung zu halten höre ich. Vergleiche ich Landwirtschaft und touristische Attraktivität auf Basis Historie und Natur, scheinen beide Länder gleiche Voraussetzungen zu haben?! Industrie sehe ich nicht viel. Also liegt es doch am politischen System? Ich werde es nicht herausfinden, bin viel zu oberflächlich unterwegs, zu viel mit meiner Reise beschäftigt, um hier tiefer einsteigen zu können.

Aber was fällt auf den zweiten Blick auf? Es ist die kleine aber feine Cafekultur. Versteckt im touristisch attraktiven Viertel um den Nachtmarkt. Keine amerikanischen Ketten, kleine individuelle Läden mit teils eigener Rösterei und wundervollem lokalen Kaffee. Ja, Laos produziert Kaffee. Der richtige Ort, um am Rechner zu arbeiten, kreativ zu sein und die Leute zu beobachten, mit lecker frischen Baguettes oder anderen Backköstlichkeiten. Und ich finde sogar noch eine deutsche Bäckerei mit Laugenbrezeln, Sauerteigbroten und anderen Entbehrungen aus der Heimat – wundervoll. Ganz anders als erwartet. Die Menschen sind freundlich und nett, machen aber einen nicht ganz so glücklichen Eindruck wie am anderen Mekongufer.

Ich fahre ein ganzes Stück am Ufer des Mekong entlang. Mindestens 10m fließt er unter mir dahin. Breit und braun, mit Sedimenten gesättigt. Ich biege ab in den Norden, wissend, dass ich in ein paar Tagen nur wieder an seinen Ufern stehen werde.
Apropos Wasser. Im bei Touristen beliebten Vang Vieng gibt es auch eine Menge davon. Wieder in Form fließender Masse namens Nam Song. Klar und sauber. Langboote bringen Touristen stromauf und -ab. Kinder plantschen lautstark in der Strömung. Körperpflege und Wäsche wird darin gewaschen. An den Ufern haben Restaurants schwimmende Plattformen errichtet, auf denen die Gäste dinieren können. Kajaktouren werden angeboten. Man kann sich in LKW Schläuchen treiben lassen oder Kanuwanderungen machen. Die Kajaktour war ein Highlight in Vang Vieng.

Ein Tropensturm im Golf von Bengalen bringt nachts erhebliche Regenfälle auch in diese Region. Mein Stellplatz gleicht Mitternacht einem See. Die Schuhe sind davongeschwommen. Nach Stunden tropft es durchs Dach. 1:30Uhr entschließe ich mich die Wiese zu verlassen und festen Grund für den Rest der Nacht zu haben. Das Risiko zu versacken, falls es so weiter regnet, ist doch zu groß. Außerdem muss ich von den fetten Kröten weg, die sich ums Auto versammelt haben, und jede Art der Nachtruhe unmöglich machen. Aber diese Nacht ist eh hin. Dem Wetterbericht zu Folge, gibt es am Morgen ein Zeitfenster von einer Stunde ohne Regen, bevor es wieder anfängt. Dieses nutze ich und packe alles zusammen. Ich bin fertig und die Himmelsschleußen öffnen sich erneut.

Frühstück gibt es heute in der Stadt. Zeitgleich trifft ein Motorradfahrer im Cafe mit mir ein. Schnell kommen wir ins Gespräch und stellen fest, dass wir zur selben Gruppe gehören die China zusammen durchquert. Was für ein witziger Zufall. Leider wird Daniel aus Australien nicht dabei sein. Ein Unfall wird ihn zwingen die Reise in Laos abzubrechen, aber das passiert erst eine Woche nach diesem Frühstück.


Luang Prabang, hier soll das Wetter besser sein. Also Henry, auf, auf. In Luang Prabang bleibe ich 5 Tage. Es wird der Ort sein, an den ich mich erinnere, wenn ich an Laos zurückdenke. Ich fühle mich extrem wohl hier. Morgen- und Nachtmarkt, Tempel, Cafes und Restaurants, niedliche Hotels und eine herrlich entspannte Ruhe. Hier lässt es sich aushalten. Ein Kochkurs gibt mir einen ganz anderen Blick, wenn ich über Märkte gehe. Der Besuch des Visitors Center für die Hinterlassenschaften und Gefahren aus dem Vietnamkrieg, der hier noch immer gegenwärtig ist, lässt mich erschaudern.

Ein letzter Stopp auf dem Weg zur Grenze. Nong Khwae am Fluss Nam Ou erreiche ich auf schlechten Straßen. 180 Kilometer werden zur Tagesreise. Der Ort liegt malerisch zwischen den Karstbergen. Ich campiere wieder auf der Rasenfläche eines Bungalowresort. Schlafe im Auto, Dusche und Toilette im einfachen Bungalow im Laos Stil auf Stelzen. Blick auf den Fluss. Für 2000€ könnte ich hier ein Jahr bleiben, Strom und Wasser inklusive. Ein interessanter Gedanke. Beim Friseur bezahle ich für waschen, schneiden und Kopfmassage 75 Cent. Essen gibt es für 1,50€. Ich mache eine Tagestour auf dem Nam Ou für 13€ inklusive Nudelgericht und Getränken. Laos ist günstig. Vom Fluss aus hat man einen ganz anderen Blick auf die Landschaft. Ein wunderbarerer Tag.
Endspurt in Laos. Auf zur Grenze.

Boten erreiche ich nach qualvoller Fahrt. Ein staubiger unattraktiver Ort. Der Schwerlastverkehr aus China hat die Straßen ins Übelste versemmelt. Die Chinatransitgruppe trifft sich in einem Guesthaus, um gemeinsam am 24.5 7:30 Uhr die Grenze nach China zu überqueren. Ein bunter Haufen aus 4 Autos und 2 Motorrädern.

Auf wiedersehen Südostasien.
5 Monate, 9500 Kilometer habe ich in deiner Hitze ausgehalten. Kühles Wasser genossen, tolle Menschen erlebt, Thai als die angenehmste Sprache kennengelernt, gut gegessen und in deiner üppigen Natur genächtigt. Die kleinen Viecher haben mich das Fürchten gelehrt, die Großen habe ich bestaunt.
Ob wir uns wiedersehen? Ich weiß es nicht. Aber wenn, dann nicht im April.


Schöne Bilder mit Musik? Dann seht wieder auf Youtube nach. Lasst gern ein Abo da. Wir sehen uns in China wieder 😊

2 Antworten auf “BLOG 22 – Laos”

  1. Moin ihr zwei,
    weiterhin eine gesunde, entspannte und interessante Reise. Freu mich immer wieder von den kleinen und großen Abenteuern zu lesen.

    Gesunde Grüße

    Oliver (der Vorbesitzer von Henry)

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