BLOG 12: Unglaubliches Saudi Arabien

Wenn aus völlig Unbekanntem irgendwie Vertrautes wird, dann ist man angekommen. So ist es mir gegangen, im Königreich Saudi Arabien. Die Umstände haben das Erlebte zu dem gemacht, was ich ab jetzt immer mit Saudi Arabien in Verbindung bringen werde. Scheinbar grenzenlose Gastfreundschaft, ehrliche Gastfreundschaft, das Gefühl absolut sicher und Willkommen zu sein,  überall einen Platz für die Nacht zu finden (außer Riad). Wenn Tage nicht laufen wie geplant, weil dich irgendwer auf der Straße anhält, Arbeit Arbeit sein läßt und dich für einen ganzen Tag in sein Leben holt, dann bist du in Saudi Arabien.

Ob das so bleiben wird? Ich denke nicht. Nach 3 Jahre Reisefreiheit für Touristen abzüglich 1 ½ Jahren Corona habe ich immer noch den Status „Exot im Land“, der in seinem Auto schläft, im Freien kocht und wäscht. Die angehenden Touristenzentren wie Al Ula, Medina, Edge of the world klammere ich davon mal aus. Obwohl, nein als nicht Hotel Schläfer war ich auch hier besonders. Van Life wie es bei uns in Europa immer vertrauter wird, ist auf der arabischen Halbinsel völlig unbekannt. Dafür stehe ich an den schönsten Plätzen, direkt am Wasser, direkt am Abgrund oder auch mal mitten im Trubel.

Denk ich an Saudi Arabien, denke ich aber auch an unglaubliche Visionen die Realität werden. Aber leider, leider auch an viel zu gedankenlosem Umgang mit Müll. Völlig unverständlich, mit europäischen Maßstäben nicht nachvollziehbar. Okay Europa minus Rumänien und Bulgarien, das war eigentlich noch unverständlicher. Ich hoffe ihr findet eine Lösung dafür, die Mittel dafür habt ihr. Als ich von Neom, der visionären Stadt der Zukunft hörte, Projekt The Line, mit 9 Millionen Einwohner, dachte ich zuerst an 27 Millionen Plastiktüten jeden Tag.

Natürlich sehe ich alles aus der Perspektive des allein reisenden Mannes in einem lustigen roten Auto. Oder ist es vielleicht nur der Henry, der hier der Exot ist, und die Reise zu dem machte wie ich es in Erinnerung behalten werden?! Im Absatz wollte ich aber ausdrücken, dass ich alles Erlebte als Mann unter Männern kennenlernen durfte.

Ein einziges Mal habe ich von einer Gruppe Frauen einen Tee als Gast erhalten. Hätte ich ähnliche Erlebnisse gehabt wenn ich weiblicher Begleitung gewesen wäre? Eine allein reisende Frau im Van, geht das hier? Allein reisend im Hotel mit organisierten Touren, durchaus denkbar. Das Land polarisiert – ganz gewiss. Aber es ist ein Wandel im Gange, positiv, das Land wird umgekrempelt.

Bis auf Riad konnte ich in jeder Stadt etwas finden das mich angesprochen hat. Besonders hervorheben möchte ich hier Yanbu am Roten Meer und Hofuf, meiner Station nach Riad. Hier hab ich mich besonders wohl gefühlt.

Die Nächte im Vulkanfeld und bei Edge of the world waren unglaublich. Kein Mensch, kein Müll, kein störendes Geräusch und Licht, nur ich, das Auto und die Natur. Nicht mal das Handy hatte Kontakt – Frieden!

Alles nur positiv, rosarot, Einhornland? 16 Cent der Liter Diesel, ja könnte man glauben. Aber auch hier gibt es Dinge, neben dem Müll, die passen nicht ins Bild. Ein Saudi, oder Saudin im Auto ist eine unberechenbare Waffe. Traut man sich in ihr Habitat, in ihre Arena gilt es hab acht Stellung ein zu nehmen, wachsam zu sein. Aus jeder Richtung kann das Unheil kommen. Das Automatikgetriebe erlaubt immer mit einer Hand was anderes zu machen, genau – Handy. Die Grenze der Gastfreundschaft ist überschritten. Linien wie Bordsteine, Schilder oder Polizisten am Straßenrand, rechts vor links, werden maximal im Vorbeifliegen wahrgenommen. Kreisel werden im spitzen Winkel auf der Ideallinie angefahren. Wer zuerst die grüne Ampel sieht darf hupen. Und dann sind da noch die Huckel auf der Straße, die mangels Berücksichtigung von Regeln Einhalt gebieten sollen. Ich hasse sie. Wie oft hab ich sie übersehen. Nicht immer weist ein Schild darauf hin, oder sind sie farblich markiert. Manchmal pennt man auch nur. Dann knallt es im Blech, dann gibt es Schläge die durch Mark und Bein gehen. Gefolgt von einem Schwall übelster Schimpfwörter meinerseits. Machtlose, zwecklose Reaktion auf unvermeidliches. Alles was nicht fest ist, fällt mit Getöse wieder auf seinen Platz oder hart daneben. Federn, Dämpfer, Chassis werden, staatlich verordnet, aufs härteste malträtiert. Der Wahnsinn aus hart gewordenem Asphalt.

Die touristischen Kettenglieder sind weit auseinandergezogen. Schwanstein – Hofbräuhaus – Schwarzwaldklinik an einem Tag gibt es hier nicht. Zwischen den Highlights liegt mindestens eine Defendertagesreise. Man muss sich kümmern als Vanlifer. Kilometer fressen. Dafür kommt man an Orte wie dem Vulkanfeld, ich nenn das immer so. Unerwartet, eindringlich intensiv.

Die Geschichte mit den Dromedaren, die plötzlich am Auto waren. Kurzzeitig adrenalisiert und überfordert, das ganze in Pixeln zu bannen.

Natürlich Al Ula, mit Blick auf den Elephant Rock, das bietet dir kein Hotel.

Ach, es hat schon Spaß gemacht, trotz der ganzen Anstrengungen. Neom werde ich weiter verfolgen.

Video wieder im Youtube channel

Teil 1: https://www.youtube.com/watch?v=ntQ50F7VyGE&t=17s

Teil 2: https://www.youtube.com/watch?v=FY8Bdb2u0Bg&t=11s

2 Antworten auf “BLOG 12: Unglaubliches Saudi Arabien”

  1. Hallo Michael,
    eine tolle Reise!
    Warum bist du schon wieder raus aus Saudi-Arabien. Hast du vorher schon genug Wüstensand und -fels gesehen? Und wohin zieht es dich, nur ostwärts?
    Danke fürs Mitnehmen!
    Berührt mich gerade besonders, weil ich nach einem bezahlbaren Wagen schaue, um in den Oman zu fahren.
    Viele Grüße aus dem verschneiten Flensburg !
    Frank

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    1. Hi Frank, nach 4 Wochen Saudi Arabien war ein Tapetenwechsel nötig. Von Bahrain aus Richtung VAE ist es etwas dröge, zieht sich. Interessant ist es nochmal Richtung Süden zurück ans Rote Meer. Aber das ist weit. Mangrovenwälder gibt es da, aber die hab ich in Abu Dhabi auch gesehen, wunderbar. Die weitere Reise hängt jetzt von der Verschiffung nach Malaysia ab. Aktuell mein Job in Dubai, nicht ganz ohne. Also ich weiss noch nicht genau wie es weiter geht. Aber weiter gehen wird es, immerweiter 😀. Gruss aus Dubai

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