Aserbaidschan über das Kaspische Meer

Im Jahr 2023 ist die Einreise nach Aserbaidschan auf dem See- und Landweg für Personen nicht gestattet. Der Einreise auf dem Luftweg ist gestattet, der Warenverkehr ist auch auf See- und Landweg möglich. Also ist es möglich die Ware „Henry“ per Schiff nach Aserbaidschan zu bringen und den Fahrer per Flugzeug. Beide treffen sich am Hafen wieder und setzen problemlos die Reise im Land fort. Die Beschränkungen beziehen sich auch nur auf die Einreise. Die Ausreise ist davon ausgenommen. Mit diesen Umweg kann ich mir den Transit durch Russland sparen.

RORO (Roll on Roll off)

Wird sich mein Alptraum „Port Klang“ wiederholen? Die Sache mit dem Auto und dem Schiff scheint hier aber einfach zu sein. Das hat nichts mit der Strecke zu tun, es die Abwicklung in den Häfen, die mich nervös machen. Ich bin also direkt zum Hafen Kuryk gefahren und hab den Wagen registriert, die lokale Telefonnummer hinterlegt und die 90 km zurück nach Aktau ins Hotel. „Das Schiff kommt heute oder morgen im Hafen an“ sagte mir der Mann vor dem Computer zum Abschied, und „wir rufen dich 3-4 Stunden vorher an, dann fährst du los. Bezahlt wird bei Abholung in Baku / Alat, 360$. Cool, hört sich einfach an.

Am Nachmittag bereite ich den Wagen vor. Wertsachen raus oder in der abschließbaren Küche verstaut. Großen Rucksack vom Dach geholt, den Zugang von vorn nach hinten mit einem Netz provisorisch zugehängt und die Türen hinten mit Spanngurten gesichert, damit man sie nicht öffnen kann. Die letzte Zugangstür ist hinter dem Beifahrer. Die verbarrikadiere ich mit den Sandblechen, indem ich sie um ein Loch nach vorn ziehe, und mit der abschließbaren Mutter sichere.

Jetzt kann man nur noch gewaltsam und mit üblen Gedanken den Wohnbereich im Wagen erreichen. Ich bin kaum fertig, da klingelt das Telefon. „Um 21 Uhr ist die Fähre im Hafen, mach dich fertig und fahr los“. Das zweite mal heute die Strecke gefahren. 20:30Uhr bin ich im Hafen, parke vor dem Hotelgebäude. Dann passiert nichts, lange nichts. Kurz nach Mitternacht kommt Bewegung in die LKW Schlange. Ich werde angerufen, soll ins Hotel kommen und mir Dokumente abholen. Dann Security Check vor der Einfahrt. Alle LKW sind durch, sie kommen zu mir. Der formale Ablauf ist schnell erledigt. Interessierte Blick in den Wagen. Sie sind zu viert, 3 davon sprechen mich an, ob ich nicht ein bisschen Geld habe. Ich bin vor den Kopf gestoßen, das erste mal auf der Tour. Natürlich rede ich mich raus und gebe nichts, die spinnen doch wohl. Dann geht es in den Innenbereich. Wagen parken und in die Customs Control Zone. Zuvor bin ich den ganzen LKW’s hinterher gedamelt, war aber falsch, werde brüsk aufgefordert auf den PKW Parkplatz zu fahren. Hafengebühr 45$, die man auch in Tenge zahlen kann, aber nur in bar. Man muss unbedingt angeben, dass man aus Usbekistan eingereist ist, wie in meinem Fall, sonst zahlt man 110$ Deklarationsgebühr und Hafengebühr. Weiter zum Schalter Nr 20, den Wagen austragen lassen. Dann passiert wieder, genau, lange nichts. Zeit zu schlafen. 7 Uhr wache ich auf, alles ist ruhig, kein Anzeichen von Aktivität, mittlerweile sind fast 12 Stunden vergangen seit Ankunft des Schiffes. Zig LKW Fahrer haben die Nacht wie ich im Fahrzeug verbracht. PKW sind knapp ein Dutzend mit mir dazwischen. Bis auf die Damentoilette sind alle Toiletten zugesperrt. 3 armselige Schüsseln ohne Papier für Männer und Frauen. Das Terminal ist nicht alt, die Sache mit der Wartung und Werterhaltung, wie ich es schon sooft erlebt habe, sie scheint nicht von Bedeutung. Kurz nach 8 Uhr macht dann die Kantine auf. Ein Kaffee und trockenes Stück Kuchen muss reichen. Ich fange an das Auto zu putzen, jetzt ist es 10 Uhr und es tut sich rein gar nichts. Keine Auskunft, keine Anzeige, nischt. Ein kleiner Trost, der Himmel ist bedeckt, wir stehen nicht in der Hitze, wie wir es gestern hatten. Ich lade mir noch Musik runter für das Usbekistan II Video, versuche die Zeit sinnvoll zu gestalten. 11 Uhr, immer noch Null Aktivität. Bin jetzt seit über 12 Stunden hier.

15 Uhr, Bordercontrol, alle PKW werden durchsucht und mit Hunden auf Drogen überprüft.

Ja, und jetzt glaube ich es, es gibt den Touribonus. Tür auf, reingeschaut, Stempel und gut. 2 Dokumente habe ich noch, eines davon gebe ich im Hauptgebäude ab, das andere behalte ich für die Fähre. Vor der Fähre wurde gegen 17 Uhr der ganze Wagen fotographiert, innen und außen, um für spätere Regressansprüche gewappnet zu sein.

Visum

Das Visum habe ich online am 20.7. am Aral See beantragt, ging auch sehr fix. Fühlte sich nach einer runden Sache an. Jetzt bin ich am 25.7. im Hafen, habe den Flug gebucht, und das Visum ist immer noch nicht da. Am Nachmittag dann die Erlösung. Im Hotel lasse ich das Visum ausdrucken.

Flug

Glücklicherweise gibt es von Aktau nach Baku eine Flugstrecke. Ich buche mir einen Flug mitten in der Nacht für 105€. Tagsüber liegen die Kosten bei bis zu 500€. Bin Sparfuch! Das Hotel am Airport buche ich gleich mit, 50€. Die Abwicklung und der Flug mit Aserbaidschan Airways ging zügig und reibungslos. Auf dem einstündigen Flug gab es sogar Wasser und Baguette. Einreise Baku ging auch ratzfatz. Nach Kaffee und Frühstück mit dem Taxi zum Hafen, ca 100km. Kosten 80AZN. Ich konnte mir die Kosten mit einem Chinesen teilen, der auch sein Auto auf der „Professor Gul“ hat.

Port Alat

6:30 Uhr am Port angekommen. Wir müssen bis 10 Uhr warten. Aus 10 wurde 11, aus 11 wurde 15 Uhr. Mit dem Reisepass geht man zur letzten Baracke hinter dem Security Bereich, ans geöffnete Fenster.

Mit der Liste die in Aktau erstellt wurde, wird das Fahrzeug anhand des Reisepasses identifiziert. Dann bekommt man das BOL Bill OF LANDING und ein Ticket über 360$. Mit beiden Dokumenten läuft man zur Bank, und begleicht am 2. Schalter die Forderung in $, €, oder Manat. Kreditkarten werden nicht akzeptiert, dafür gibt es aber einen ATM neben der Bank.

Mit dem Beleg der Bank geht es zurück zum Fenster an der Baracke. Eintragung im System und es gibt einen Zettel für die Security, die sich am Passagierdurchgang befindet. BOL ist hier ebenso erforderlich. Es wird wieder etwas eingetragen.

Nächste Station ist das kleinen Gebäude rechts neben der Eingangsschranke.

Hier bekommt man ein Ticket für die Hafengebühr von 48$. Genau, wieder zur Bank, am ersten Schalter begleichen. Zurück zum Aussteller und Beleg vorzeigen. Jetzt hat man noch das BOL im Original, einen Beleg über die Transportkosten und den Beleg über die Hafengebühr.

Die Zeit verbringt man im Wartebereich ohne Klimaanlage, Internet und Essen. Es gibt nur Wasser, Toiletten und einen Bereich mit Liegen. Also bitte vorbereiten.

Gegen 16:30 ,Uhr Aufforderung zur Security zu gehen. Wieder am Schalter im Durchgangsbereich. Die Schranke öffnet sich. Als alle PKW Fahrer durch waren, ging es gemeinsam in den Innenbereich des Hafens. Henry steht in einem überwachten Bereich hinter Büschen im Schatten. Customs Clearance, erfassen der Daten vom Fahrzeug. In einer kleinen Hütte links vom Customs Gebäude entfernt, zahlt  man den Aufwand dafür von 35AZN. Zurück ins Gebäude und Versicherung für 4 Wochen abschließen. Den Beleg den man erhält zahlt man wieder in der kleinen Hütte, 72AZN.

Sind alle PKW Fahrer mit der Prozedur durch, wartet noch die Fahrzeugüberprüfung. Es ist mittlerweile schon dämmrig. Sie lassen sich alles zeigen, mehr aus Neugier. Hier noch reinschauen, da noch reinschauen, die Frage nach einer Drohne, ach, wofür brauchst du das dann, was macht man damit? Bin sichtlich genervt, zeige es aber nicht. Dann geht es endlich raus, kurz nach 20 Uhr. Ich campiere auf dem Parkplatz vor dem Security Gebäude, einen schnellen Happen zu essen, und Auto zum Schlafen herrichten.

Ich bin in Aserbaidschan.