BLOG 28 – Türkei von Ost nach West

Wieder in der Türkei, Endspurt in Asien. Immer stärker drängt sich die Zeit in den Vordergrund. Wieviel bleibt mir noch auf Reisen, wann besuchen mich die Kinder in Griechenland? Wieviel Kilometer noch bis Athen? Was liegt noch auf der Strecke? Ein leichter Hauch von Stress macht sich breit. Nicht wie früher im Beruf, wo der Stress dominierend war, nein, eher unterschwellig, aber immer zu gegen. Ich kalkuliere die Tage, zähle die Kilometer, mache Hochrechnungen für das Budget. Das ungezwungene Reisen ist vorbei. Obwohl, mir bleiben noch 6 Wochen, ein ganzer Jahresurlaub im Beruf.

Ausreise Türkei, Einreise Griechenland, ein Kinderspiel von 40Minuten. Aus der geplanten Route entlang des Schwarzen Meeres wird nichts, das ist schnell klar. Zu verbaut, zu wenig Freiraum zum Stehen, zu heiß mit immer noch 36° tagsüber. Im Landesinneren soll es angenehmer sein. Annette, die ich vom Flughafen Trabzon abhole, ist den größten Teil der Türkeireise wieder mit dabei.

Wir wollen Ostanatolien, Zentralanatolien und Ägais / Marmararegion fahren. Einmal quer durch die Mitte, fast, denn bis an die Grenze zu Armenien wollen wir nicht, also Van See östlich. Das erste Highlight ist das Sümela Kloster. Ganz in der Nähe von Trabzon an den Fels gebaut. Bedeutender Wallfahrtsort der Christen, ja, in der muslimisch dominierten Türkei.

Den Muezzim hören wir so richtig erst wieder in Erzurum. Eine Stadt im kargen Inneren Anatoliens. Moscheen, Madressen, Märkte und eine Zitadelle. Alles was eine Stadt im Orient ausmacht. Man kann natürlich auch gut Essen und shoppen. Aber wirklich brauchen tun wir nichts, außer einem schönen Stellplatz. Den finden wir nach einigem Suchen oberhalb der Stadt. Aussicht unschlagbar, Müll am nahegelegenen Picknickplatz unfassbar.

In doppelter Hinsicht überzeugt der Van See von Größe. Er ist der größte See der Türkei und der größte Sodasee der Welt, pH Wert 9,8. Prima zum Wäsche waschen. In unmittelbarer Nähe zum westlichsten Punkt des Sees finden wir unser Highlight Ostanatoliens, den Nemrut Krater. Eine Straße führt direkt über den Kraterrand. Hinein in 33000 Jahre Erdgeschichte. Der Trubel der Stadt Tatvan weicht der Stille. Statt Sodasee ein kristallklarer Süßwassersee in ca 2200m Höhe. In der aufgehenden Sonne ein Blau wie es reiner kaum sein kann. Wir bleiben 2 Nächte. Übrigens ist auch die Entstehung des Van Sees auf den Ausbruch des Nemrut Vulkans zurück zu führen.

300 Kilometer entfernt gibt es einen Berg, der auf den gleichen Namen hört. Dieser Nemrut Dagi ist aber ca 800 m niedriger als sein östlicher Kollege, ca 2100 m. Dafür hat der westliche Nemrut lauter Steinköpfe auf seinem geschotterten Haupt. Ähnlich der Statuen auf den Osterinseln. Aber was hat es mit diesen Köpfen auf sich? Antiochos I ließ sie 69 – 36 v Chr erstellen als eine Kombination aus Heiligtum und Grabstätte. Sie sollte die Symbiose aus persischer und griechischer Mythologie sein. Lohnen sich der 70 Kilometer lange Abstecher wenn man Richtung Malatya fährt? Ein klares ja. Unser Stellplatz vor dem Nationalpark war einzigartig und auch der Weg dort hoch hatte einige spektakuläre Orte. Vom Gipfel kann man seine Auge in die Ferne schweifen lassen.

Ein Ort auf der Seidenstraße darf natürlich nicht fehlen, denn seit China fahre ich ja zurück auf der alten Seidenstraße. Eine ganz besondere Bedeutung in der Türkei nimmt Safranbolu ein. Dafür verlassen wir Zentralanatolien für einen Abstecher in die Schwarzmeerregion. Die geschäftige Innenstadt schmiegt sich an die alte Karavanserei aus dem Jahr 1654. Bedauerlicherweise ist dieses historische Gebäude jetzt ein Hotel und Restaurant, und für „nur historisch Interessierte“ nicht zugänglich. Ein wirklicher Jammer. Safran war die wertvolle Handelsware dieses Postens auf der Seidenstraße. Wertvoller als die Seide, die diesem Handelsweg den Namen gab. Gramm Safran wurde gegen Seide getauscht oder in Gold aufgewogen. Die Stadt wurde reich, der quirlige Stadtkern ist erhalten geblieben.

Die Türkei ist so reich an Naturwundern und Altertümern. Eine Kombination auf dichtestem Raum lässt sich in Pamukkale finden. Einzigartige Sinterterrassen waren der Grund für die Entstehung des altgriechischen Ortes Hierapolis aus dem 3 Jahrhundert vor Christus. Ein Ort der Bäder und Gesundheit über Jahrhunderte hinweg. Ein riesiges Areal für das man sich Zeit nehmen muss. Von meinem erstklassigen Stellplatz aus, der nur mit Allrad erreicht werden kann, und damit Ruhe versprach, konnte ich am frühen Morgen den Flug der Ballone über die Terrassen und historische Stätte beobachten. Nicht so gewaltig wie Kappadokien, aber immer wieder faszinierend. Mit Kamera und einer guten Tasse Kaffee ein Morgen wie er schöner kaum sein kann.

Dann endlich die Ägäis. Wasser hat schon eine besondere Anziehungskraft. Egal ob Flüsse, Seen oder Meer. Und davon habe ich viele gesehen auf meiner Reise. Die Ägäis Küste der Türkei ist eine Aneinanderreihung historischer Stätten. Angefangen bei Ephesus, dann Pergamon, Troja und Smintheion, um nur einige zu nennen. Der große Marktplatz in Ephesus hat wieder einen Bezug zur Handelsroute der Seidenstraße, weil hier der Weg über Land endete und die Verteilung über See in die Länder des heutigen Europas stattgefunden hat. Ein absolut sehenswerter Ort.

Fasziniert war ich auch von Troja, den Ausbaustufen, der Entwicklung der Stadt, und einer kleinen Ausstellung über die Ausgrabungen und der Archäologen. Gerade dieser Punkt ist in vielen historischen Stätten sehr vernachlässigt. Wer waren die Männer, die sich mit soviel Engagement der Aufgabe gewidmet haben? Ein fesselnder Aspekt, der einen ganz anderen Blick auf die Grabstätten ermöglicht. So zumindest mein Empfinden. Von Troja habe ich leider nur Videomaterial. Bitte auf Youtube (ab Minute 23) schauen – sorry.

Stellplätze an der Ägäisküste, aber auch sonst in der Türkei, sind an vielen Stellen arg vermüllt. Man muss schon ein ganzes Stück fahren um einen halbwegs saubere Platz zu finden. Dann hole ich den Spaten raus und verbuddele das Gröbste. Es ist eine Sauerei was die Türken mit diesen schönen Orten machen. Einen Teil holt sich das Meer, aus den Augen aus dem Sinn. Der Hit ist aber, dass man sich am nächsten Abend wieder in den Müll setzt und es schön findet. Umweltschutz, Rettung des Planten, Klimaziele erreichen, als globale Aufgabe anzusehen ist extrem naiv. Ein Großteil der Erdlinge versagt schon bei den elementarsten Dingen. Da braucht man mit CO2 Einschränkungen nicht kommen, das sind Forderungen aus einer anderen Galaxi.

Einer Einladung folgend, verbringe ich einen wundervollen Tag bei Marianne und Huub, die meinen Kanal auf Youtube verfolgen. Zusammen schauen wir uns unter anderem den westlichsten Punkt Asiens in Babakale an.

Und dann, ja dann bin ich auch schon auf den letzten Kilometern in Asien. Mit der Überfahrt über die Dardanellen erreiche ich Europa. Was für ein Gefühl, was liegt hinter mir, wie viele Kilometer hat mich Henry, der treue Gefährte, durch Hitze, Schotter, Sand und Regenwald begleitet. Über Höhen in Tibet und Kirgistan durch die Steppen Usbekistans. Was für ein Erinnerungsschatz hat sich hier aufgebeut?      

Die Brücke nach Asien

Die historischen Stätten setzen sich aber auch in der europäischen Marmararegion der Türkei fort. Hier allerdings deutlich jüngeren Datums. Die Schlacht um Galipoli von 1915, auf der gleichnamigen Halbinsel, ist in Form von Denkmälern und Friedhöfen allgegenwärtig. Ein letztendlich katastrophales Unterfangen auf der Ausarbeitung von Winston Churchill basierend. Auf türkischer Seite wird der Sieg hingegen kolossal dargestellt. Schulbus reihte sich an Schulbus, um patriotische Gefühle zu wecken und zu stärken.

In Ippsale schließt sich dann der Kreis. Der Grenzübergang auf dem ich 13 Monate zuvor in die Türkei eingereist bin.

Aber noch ist die Reise nicht zu Ende, noch geht es immerweiter!

Lasst euch die Bilder auf Youtube nicht entgehen, Türkei IV, Türkei V, Türkei VI.

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