3.713.000 Georgier teilen sich knapp 70000 km². Männer haben eine Lebenserwartung von „nur 67 Jahren“. Liegt das an der Fahrweise, oder am Chacha, dem Schnaps in Georgien. Immerhin erreicht er schon mal 70 bis 80%, wenn er selbstgebrannt wird.

Ein „Renovierer“ beim Prinzen ist daran umgekommen, so die Aussage von Prinz Murat. Ein harter Einstieg in die Beschreibung meiner Erlebnisse in Georgien. Auf einem Campingplatz am Schwarzen Meer hat mich der Wart und Besitzer zur Begrüßung auf 2 Glas eingeladen. Alle Ausreden fruchteten nicht. Der Abend war danach irgendwie komisch und schnell lag ich im Bett.
Aber Stopp, wer ist denn der Prinz? Georgien ist doch keine Monarchie! Auf dem Anwesen von Prinz Murat, in direkter Verwandtschaftslinie zu Napoleon, gibt es einen kleinen Campingplatz, den ich an dieser Stelle ausdrückliche empfehle.





Er liegt auf dem Weg nach Mestia in Svanetien. Bewegtbilder sind wie immer bei YouTube zu finden (VLOG#039 Georgien II). Leidenschaftlich führt er die Gäste durchs Anwesen und erläutert die bewegende Familiengeschichte. In den Jahren 1917 bis 1990 zerstörten die Russen das historische Gebäude samt einer Manufactur für Porzellan. Die Prinzenfamilie musste Georgien verlassen. 2014 kehrte Prinz Murat zurück und renoviert seither die gesamte Anlage, mit dem Inventar das noch vorhanden war, oder welches aus der Gegend zurückgekauft werden konnte. Der atemberaubende Fernblick vom üppigen Balkon hat sicher zur Entscheidung beigetragen Georgien wieder zur Heimat zu machen. Ein sehr sympathischer Ort, der vom Charme und der Energie des betagten Prinzenehepaares lebt.
Eine weitere Persönlichkeit hab ich ebenfalls in Svanetien getroffen, zufällig, weil der ausgesuchte Campingplatz in Mestia komplett belegt war, bin ich aufs Nachbargrundstück ausgewichen. Das Hostel trägt den Namen „Tiger of Rocks“. Am Morgen stellt sich der Besitzer näher vor, Miron Khergiani. Er ist einer der bekanntesten Autoren im russisch sprachigen Raum. Herausgeber der Biographie von Mikheil Khergiani und 24 weiterer Bücher.

So lerne ich die dritte Persönlichkeit, Mikheil, den berühmtesten Alpinisten Georgiens kennen, oder besser erfahre von ihm. Ob die Khergianis ein verwandschaftliches Verhältnis haben, konnte ich nicht Erfahrung bringen, im Gespräch hab ich vergessen zu fragen. Aber sofort kaufe ich sein Buch und bekomme noch eine Signatur. Jetzt weiß ich auch, warum der Platz auf dem ich stehe „Tiger of Rocks“ heißt. Die Queen von England gab Mikheil während eines Wettbewerbs in Wales den Namen Tiger of rocks, so wurde er fortan genannt. Ein Ritterschlag par excellence. 1969 kam er am Su Alto Peak in Italien ums Leben, als ein Felssturz sein Seil durchtrennte. Er ist gerade mal 37 Jahre geworden. Nach dem Besuch des Museums in seinem Elternhaus, sehe ich Svanetien anders, mehr durch die alpine Brille.






Überhaupt hat mich der Nordwestliche Teil Georgiens in seinen Bann gezogen. Gletscher, Kräuterwiesen, Wasserfälle, Berge und Türme aus Stein, die von harten Zeiten berichten.










Immer wieder atemberaubende Stellplätze.









Und dann war da ja noch der respekteinflößende Albano Pass, eine der spektakulärsten Straßen der Welt. Die besten Eindrücke in meinem YouTube Video #038 Georgien 1. Am Ende der Ort Omalo in einer irren Landschaft.







Kurz vor der russischen Grenze gelegen, an der alten Heerstraße, die eine wichtige Rolle im kaukasischen Handel gespielt hat, kommt man nach Stepanzminda. Und hier liegt ein Kloster auf einem Hügel, das in keinem Reiseführer über Georgien fehlt. Die Gergetier Dreifaltigkeitskirche. Als bekennder Antireligioner bin ich trotzdem immer wieder fasziniert, nicht nur von der exponierten Lage, der Architektur und der Spiritualität wegen, sondern vielmehr von der Anziehungskraft auf die Menschen. Da gibt es natürlich die Speziellen, z.B. Chinesen, aber auch die, die ihr Schaf dort weihen lassen vor der Schlachtung, und die, die ein tiefverwurzelter Glaube hier her führt. Und tatsächlich, im heiligsten Bereich der Anlage verstummt der Lärm, sorgen dicke Mauer für ein ungestörtes Bekenntnis zum Glauben. Was immer die Menschen dort warum machen, ich hab ja keine Ahnung, Zaungast.





Aber eigentlich bin ich ja auf den Spuren der alten Seidenstraße. In Svanetien habe ich keine Zeugnisse darüber gefunden. Auch in den von mir besuchten Städten Tiflis, Mzcheta und Kutaissi wird es zumindest nicht sofort ersichtlich. Die letzte Karawanserei war die in Aserbaidschan.
Manchmal kommst du in Städte, und du bist sofort gefesselt. Das habe ich hier in Georgien immer nur auf den zweiten Blick gehabt. Besonders in Tiflis, oder Tblisi. Die Nacht war furchtbar auf einem riesigen zentralen Parkplatz. Dann stromert man am nächsten Morgen durch die Gassen, und an jeder Ecke ein neuer Blick, etwas faszinierendes, Besonderes, und man möchte immer weiterlaufen. Nein möchte man nicht wirklich bei weit über 30°, aber im Herbst wäre das sicher so. So zieht mich ein kühles Cafe in seinen Bann, und hinter einem Wassernebelschleier schaue ich dem Treiben bei einer guten Tasse Kaffee zu, einer meiner Kernkompetenzen. Kleines Georgien, macht so viel Spaß! Und am Schwarzen Meer bin ich noch gar nicht gewesen. Aber der (große) Kaukasus hat alle Erwartungen erfüllt.













Dann erreiche ich das Schwarze Meer. Es präsentiert sich stürmisch, der Wind peitscht die Wellen auf und ans schwarze Ufer. Es spuckt allen Unrat wieder ans Land, will es nicht mehr, was der zivilisierte Mensch ihm ungefragt überlassen hat. Und was macht der georgische Mensch? Der georgische Mensch nimmt alles brav wieder zurück. Am Mittag ist wieder alles besenrein, da beruhigt sich das Meer zu Frieden, und glättet seine Welle, damit der georgische Mensch und seine Gäste sich darin erfrischen können. Bis es ihm wieder zu viel wird. Auch Unmengen Treibholz wird angespült. Die schönsten Stücke verschwinden in Kofferräumen von Autos und werden bestimmt in ganz neuem Licht erstrahlen.





Was bleibt unentdeckt von Georgien? Das sind die Steppen im Südosten. Im August ein deckungsloser Glutofen von fast 40°. Das hatte ich auf meiner Reise beileibe schon genug ausgehalten. Also geht es weiter der Küste entlang, weiter Richtung Türkei. Aber eins ist geblieben, die Erinnerung an ein faszinierendes abwechslungsreiches Land. Ach ja, eingangs fiel das Wort Fahrweise. Diese unterscheidet sich nicht von der in der Türkei, den Ländern Zentralasiens oder Arabiens.
Ich hab wieder den Farbfilm eingelegt und für euch auf YouTube gespeichert.
VLOG#038 – Georgien I
VLOG#039 – Georgien II

