1001 Nacht, das stand für mich immer für einen Ort, eine Geschichte irgendwo in Arabien. Jetzt weiß ich es besser. Für mich gehört es nach Zentralasien, auch wenn Aladin und die Räuber eher in Persien zu finden waren. Aber das Gefühl 1001 Nacht, hat mich hier in der einmalig und kulturell reichen Gegend der alten Seidenstraße erfasst. Was für Eindrücke, welche Pracht in den Oasen-Städten hier in Usbekistan.

Dazwischen Steppe und Ruhe, die man über schlechte Straßen erreicht.
Und immer wieder schweifen die Gedanken ab zu den Karawanisten der Vergangenheit, die mit Kamelen zu Fuß diese unglaublichen Strecken zurücklegten. Hitze, Sandsturm, Durst und Kälte trotzend. Bin immer wieder fasziniert, wenn ich schwarz-weiß Fotos sehe aus dieser Zeit.


Samarkand, Bushara und Xiva waren aber nicht nur Handelsplätze auf der Seidenstraße. Sie waren Zentren des Glaubens und der Lehre. Kultur und Ideen aus West und Ost wurden hier vermischt und bereicherten sich gegenseitig.

Die großen Marktplätze sind Relikte die die Zeit überstanden haben.






Wie prachtvoll sind die Orte gestaltet! Nicht aus sichtbarem Lehm wie sonst in der Gegend üblich, sondern gewaltig und wunderschön gestaltet und verziert. In Isfahan im Iran habe ich die gleiche Bauweise gefunden, aber soweit entfernt, ein gutes Zeichen wie Kultur Distanzen überwunden hat. Samarkand war schön,











schöner war aber Bushara,
















begeistert waren wir von Xiva.




















Dieser Ort dicht an der Grenze zu Turkmenistan ist ein beeindruckendes Freilichtmuseum. An jeder Ecke faszinierend. Sauber gepflegt und in den Monaten Juni und Juli erstaunlich ruhig und wenig los. Es ist keine Saison, zu heiß, zu stechend die Sonne. Die bevorzugten Zeiten um draußen zu sein sind der Morgen und der Abend. Insbesondere der späte Abend mit lauwarmer Luft in der beleuchteten Stadt, der Wahnsinn. Die Reihenfolge von Tashkent aus zu starten und den Höhepunkt Xiva zuletzt zu genießen, genau richtig. Zumindest haben wir es so wahrgenommen.
Wo Wasser ist, ist Leben, blühen die Landschaften. Meist wenige Kilometer breite Streifen grün, die intensiv bewirtschaftet werden. Alle Arten von Melonen, saftig und geschmackvoll, von der Sonne verwöhnt. Sonnenblumenfelder, Baumwolle, Kartoffeln und Gemüsefelder, Obstplantagen. Entfernt man sich, gibt es nur noch Steppe und Wüste. Karger Lebensraum für Mensch und Tier. Man findet die üblichen Verdächtigen, Schafe, Ziegen, Pferde, Dromedare und Kamele. In Kasachstan wird es dann extrem. Platt, schnurgerade Straßen die das große Nichts durchziehen. Wer im Urlaub NICHTS sehen will, der muss nach Kasachstan. Ich springe gerade ein wenig, zurück nach Usbekistan. Wie habe ich die Menschen hier erlebt? Eine offene Wärme habe ich wahrgenommen, anders kann ich es nicht beschreiben. Die Kirgisen und Kasachen waren eher etwas distanziert. Die Usbeken hingegen wieder sehr interessiert. Es wurde wieder gehupt und gegrüßt, Fotos gemacht und freundlich gelacht – herrlich. Um es vorweg zu nehmen, ich habe mich hier sehr wohl gefühlt.
Wo Wasser ist, ist Leben, wo das Wasser gewichen ist, ist auch Leben gewichen, ist der Aral(sand)see.










Habe selten etwas Bedrückenderes gesehen. Über 50 Jahre hat man zugesehen, wie das Wasser im See immer weniger wurde, reagiert hat man nicht. Das Sterben der Fischindustrie in Kauf genommen, das Sterben des Sees zu Gunsten einer kurzen Blütezeit der Baumwolle. Wie verrückt, typisch Mensch. Macht, Gier und Dummheit, eine zerstörerische Mixtur. Faszinierend auf der anderen Seite. Auf dem Grund eines Meeres zu campen, in einer Umgebung, in der sich vor einem Wimpernschlag im Erdenzeitalter, noch Krebse und anderes Getier im Sand vor den Räubern versteckt haben. Muscheln bedecken den Boden, Pflanzen wachsen und verhindern die Ausbreitung des Sandes. Ein neuer Lebensraum ist entstanden. Unwirklich auch die verrosteten Fischerboote tief unter dem ehemaligen Kai, wo jetzt das Museum ist. Fotomotive der Sonderklasse. Die Reste des Sees / Meeres sind 4 Stunden Fahrt entfernt. Treffen wird man auf 10% versalzene Restfläche. Verstehen kann ich das alles nicht. Die Perspektive der 14000 Bewohner von Monaq ist mir schleierhaft. Aber einen wirklichen Einblick in die Lebenssituation der Opfer dieser Tragödie habe ich natürlich nicht, nur eine oberflächliche Momentaufnahme auf der Reise, wie so viele Male zuvor. Aber ein Moment der mich zweifeln lässt, wie wir als Menschheit die riesigen Aufgaben des Klimawandels gemeinsam bewältigen wollen. Ein gewaltiger Teil der Bevölkerung findet ja nicht mal den Mülleimer, geschweige denn, geht sorgsam mit den Ressourcen um. West und Nordeuropa, eine Insel hoffnungsloser Idealisten im globalen Umweltchaos? Zur Beantwortung fehlt mir noch viel Reisezeit, keine Ruhe, immerweiter.
Usbekistan verabschiedet sich mit schlechten Straßen, bleiben werden aber die positiven Dinge die ich hier erleben durfte.


Ein paar schöne Bilder mit Musik findet ihr wieder hier, auf meinem YouTube Kanal. 😊

