Ich verlasse das kleine Laos und, um das Reich der Mitte zu durchqueren. Alles wird anders werden. Ich fahre nicht mehr allein die nächsten 3 Wochen, habe den chinesischen Guide neben mir sitzen, der mich und die Gruppe Gleichgesinnter durch alle Kontrollen und Unwegsamkeit eines Überwachungsstaates lenkt.


Die Einreise war langwierig, aber doch nicht so penibel wie ich befürchtet hatte. Kein Ausladen des Wagens, kein Scannen der Telefone, Festplatten und Rechner. Wissen wollten sie nur, ob ich große Messer dabei habe. Ein Blick in die Küche hat gereicht, und ich durfte weiterfahren. Edward, der Guide, hat alles übersetzt. Es war eher selten, einen Chinesen zu treffen, der fließend, oder zu mindest so zähfließend Englisch spricht wie ich es tue. Nach der Grenze war Edwards job nicht erledigt.


Wer glaubt, man geht in China in einen Handyladen, kauft sich eine SIM Karte und ist nach 5 Minuten wieder draußen, der irrt. Ohne Hilfe des Guides, keine SIM Karte, und das dauert nicht nur eine Stunde. In der Provinz Xinjiang bekommst du ohne Guide nicht einen Liter Sprit. Aber wie kommt man an einen Guide? Die warten ja nicht an der Grenze auf dich. Also zurück zum Anfang. Nun, da gibt es Facebook, und bei Facebook gibt es Gruppen, die das Thema Transit durch China abdecken. Da finden sich nicht nur Reisende mit dem gleichen Ziel, da tummeln sich auch Agenturen, deren Geschäftsfeld es ist, eben diesen Reisende durch das Land der Mitte zu lotsen. Je mehr Reisende, desto günstiger für den Einzelnen. Die Termine und die Route sind von der Agentur vorgegeben, wenn es passt, dann passt es. Das ist aber wohl nur ein Weg, um den Transit zu organisieren. Man kann natürlich auch „googlen“, ist aber erheblich mühsamer. Schaut auch in den Länderinfos.

Wir haben uns also gefunden, und waren zum Termin am verabredeten Ort. Es sollte keine Spazierfahrt werden, dazu waren die Distanzen einfach zu gewaltig, die Nationalstraßen oft zu schlecht, und die Höhenunterschiede zu mächtig. Die letzten Tage war ich dann auch so fertig, das ich keine Lust mehr auf irgendwas hatte. Das lag aber auch an den enormen Temperaturen von bis zu 47°C. Ein Riesenföhn, der durch das Land bläst, gewöhnen kann man sich daran nicht, da muss man hier schon geboren sein, das will man aber auch nicht.
Bilderbuch-China erlebten wir gleich zu Anfang in Dali und Lijiang. Die Historischen Stadtteile sind ein Traum, gern wären wir länger geblieben.










Tibet lockte mit fremder Kultur, mit Yaks, und atemberaubender Landschaft.









Wir hatten uns aber auch echt gequält die Serpentinen um Serpentinen zu erklimmen. Im Dritten bis zum Anschlag georgelt, in den Vierten geschaltet langsamer geworden und wieder runterschalten. Mit Gang Vier und Fünf verhielt es sich genauso. Gemütlich tuckern war auch nicht immer, man musste schon als Gruppe zusammenbleiben. Das hat sich erst im Norden geändert. Fasziniert haben mich die Graslandschaften in 3000m Höhe in Tibet und Sichuan. Klare Luft, blauer Himmel und schneebedeckte Berge.


Die Temperaturen waren dann aber nur mit Pullover angenehm. In Thailand und Laos habe ich mir das schließlich so gewünscht. Beim Campen konnte ich dann auch die Funktion der Standheizung endlich mal wieder überprüfen – ging auf Anhieb. Ach ja, Übernachtungsvariante 1 war immer das für Ausländer zertifizierte Hotel. Auch so eine Geschichte, die nur mit Guide funktioniert. Alternativ Camping in akzeptabler Nähe zum Hotel, wo der Guide zu erreichen war. Akzeptabel würde ich mit bis zu 10 Kilometer definieren.


In Xining, der Hälfte der Strecke, treffen wir dann auf die ersten Anzeichen der alten Seidenstraße. Was man davon noch sieht, sind aber Restaurationen und Skulpturen, die beladene Kamele darstellen. Was aber bis heute geblieben ist, sind die Basare, die die Zeit überdauert haben. Hier wurde früher schon gehandelt, wahrscheinlich eher auf Gütertausch und nicht Ware gegen Bares. Aber nicht nur Handel wurde getrieben auf den Basaren, sie waren auch ein Ort um Nachrichten zu verbreiten. Trugen damit erheblich zur Entwicklung der Kulturen bei. Der Seidenstraße werden wir weiter folgen in China. Ich werde die Orte der alten Handelsroute dann bis in die Türkei zum Ziel haben.
Wir verlassen Xining, wo es an jeder Ecke handgemachte Nudeln gab – lecker.


Bald stoßen wir auf die Große Mauer, die das Land von den Ausläufern der tibetischen Berge bis ans Chinesische Meer bei Baidahe durchzieht. Gebaut als Schutzwall gegen die mongolischen „Horden“ aus dem Norden. Auch hier kommt man am Thema Seidenstraße nicht vorbei, wieder in Form von Skulpturen, Zeichnungen und Gedöns bei den Souvenirläden.









Wir sind aber auch in der Gobi und klettern 200m hohe Dünen rauf, um einen semischönen Sonnenuntergang zu bestaunen, zusammen mit Hunderten. Lustig war es trotzdem. Die Chinesen tragen Gamaschen die über die Schuhe gezogen werden, und bedecken alle Körperteile, die der Sonne ausgesetzt sein könnten. Unweigerlich kommen mir Bilder von Jack London in den Kopf aus Goldrausch am Klondike. Mann hinter Mann sind sie die verschneiten Hügel raufgeklettert, wir sind in Shorts und Barfuß unterwegs.



Die Strecken werden länger und wir erreichen den Tiefsten und heißesten Ort Chinas, Turpan. 47°C lähmen alles. Die Sonne geht hier gegen 22Uhr unter, weil in ganz China Pekingzeit herrscht. Aber erst wenn die Sonne fast untergegangen ist, verlässt man das Hotel. Camping ist quasi nicht möglich, der ganze Wagen ist aufgeheizt, ein Backofen der die ganze Nacht die Hitze abgibt. Nach mörderischen 12 Stunden im Auto verlasse ich das Hotel nur noch zur Nahrungsaufnahme, denn am nächsten Tag heißt es wieder fit und konzentriert zu sein.
Auf der Autobahn stinkt es am nächsten Tag auf einmal nach Diesel. Die Fahrzeuge hinter mir und die die mich überholen, haben Scheibenwischer an. Verdammt, der Henry hat einen massiven Schaden. Ich beobachte die Tanknadel, die sich noch nie so schnell nach unten bewegt hat. Ein Parkplatz kommt wie gerufen. Es spritzt und tropft im Motorraum. Es sieht aus, als wäre der Motor geplatzt. Die undichte Stelle ist schnell identifiziert. Der Anschluss der Dieselleitung am Motor hat sich gelöst. Mit normalem Werkzeug kommen wir nicht ran. Spitzzange, Schraubendreher und Hammer sind die einzigen Hilfsmittel, um die Verschraubung wieder anzuziehen, es hält und ich kann die Fahrt fortsetzen. Glück gehabt. Abends reinigen der Bremsen und waschen der Karosse. Es wird noch einige Zeit vergehen, bis sich der Dieselgestank vollends verzogen hat.


Die Taklamakan zieht sich bis zur Grenze nach Kirgisistan. Nach 23 aufregenden und aufreibenden Tagen ist das Kapitel China Transit vorbei. Die Grenzabwicklung ist dermaßen nervend, wie es nur in einem Überwachungsstaat möglich ist. Aber wir meistern auch diese Hürde, allerdings nicht mit Edward, sondern mit Russel, dem Borderguide.
40 Minuten Videomaterial findet ihr auf Youtube. Kürzer konnte ich diese Tage nicht zusammenstreichen. Material hätte ich locker für 5 Stunden. Lasst gern ein Abo da. Wir sehen uns in Kirgisistan wieder 😊

