BLOG 21 – Thailands Norden

An meinem nördlichsten Punkt in Thailand, Chang Rai, schaue ich mir das wohl Verrückteste an, was Thailand zu bieten hat, den Weißen Tempel. Privat erbaut mit Eigenkapital und Spenden. Fertig ist er noch nicht, immer neue Ideen werden umgesetzt.

Das grelle Weiß lässt die Kamera eine Blende abdunkeln, mindestens. Das Beeindruckende ist die Kombination aus buddhistischem Tempel, Fabelwesen, Totenszenen, Comicfiguren und Kunst. Ich habe darin gesehen, den Glauben einschließlich Hoffnung, den Tod und das Endliche, sowie die künstlerische Anordnung als das Verbindende, die alles zusammenwirken lässt und ein skurriles Ensemble ergibt.

Spannend an diesem Ort ist, sich die Symbolik zu sortieren und sich klar zu machen, wie alles zusammen passt. Auf keinen Fall ist es ein unwillkürlicher Mix, dafür ist es viel zu detailverliebt. Die starken Elemente der Spiritualität werden deutlich unterstrichen durch die Glaubensbekenntnisse der Besucher, die sich dem zugehörig fühlen. Direkt nebenan ein Kunstmuseum, ebenfalls ein Leckerbissen. Begleitet wird die ganze Szenerie von Ess- und Marktständen die in einem dafür geschaffenen Bereich zu finden sind. Ich habe mir lange überlegt, ob ich dafür die 180 Kilometer von Chiang Mai hochfahre, aber jeder Kilometer hat sich gelohnt.

Ja, Chiang Mai, da ging der Norden eigentlich los. Die Strecke von Ayutthaya bis dorthin war eine Hitzeschlacht. Durch breite, flache Ebene mit 6 spurigen teils kilometerlangen geraden Straßen. Am Freitag den 14. April erreiche die Gegend um die Stadt. Ich biege in einen Nationalpark 15 Kilometer außerhalb der Stadt ab. Am Fluss und im Wald will ich die Nacht verbringen. Erwarte etwas Kühle. Doch der Fluss ist aufgewühlt von zig Badenden, die die Songkran Tage nutzen, um hier zu entspannen. Doch es sind Tagesgäste, die bis 16:30 Uhr den Park verlassen, weil er dann geschlossen wird. Ich habe den Bereich für mich allein, puuh. Der Fluss wird langsam wieder klar, die Luft wird beim Abschied der Sonne angenehmer und lässt auf einen halbwegs guten Schlaf hoffen.

Songkran habe ich schon erwähnt. Das Fest ist vom 13-15 April und läutet in Thailand das neue Jahr ein. Nach bhuddistischem Kalender das Jahr 2566. Ist man zu dieser Zeit in Thailand auf keinen Fall verpassen. Songkran wird auch das Wasserfest genannt, weil gegen die sengende Hitze im April die Alten und Bhuddafiguren mit Wasser besprüht wurden, um Linderung zu erhalten. Das Ganze ist mit der Zeit zu einem Riesenspektakel und zur Wasserschlacht mutiert. Ich mische mich mit Kamera unters Volk. Muss dabei auf die Technik acht geben. Bereitwillig lassen sich die Akteure von der Kamera einfangen.

Ein weiteres Highlight ist der in der Nähe zu finden, der mit 2565m höchste Berg Thailands, der Doi Inthanon. 300m unter dem Gipfel liegen linker Hand zwei Tempel (Phra Mahathat und Grand Pagoda), die man auf keinen Fall links liegen lassen sollte. Wundervoll gepflegte Anlage mit irrem Blick ins Tal.

Sollte die Besichtigung noch nicht genug Bewegung gewesen sein, hat man ein Stück oberhalb der Pagoden die Möglichkeit, einen Naturpfad zu gehen. Er führt durch Regenwald und auch zu tollen Panoramapunkten für die „Ah und Oh“ Effekte. Mehr Bewegtbild bei Youtube.

Durch den Wald kann man leider nicht zum Gipfel aufsteigen, also mit Henry. Es ist deutlich kühler geworden, angenehm kühl. Die Aussicht war auf dem Trail und bei den Pagoden aber schöner. Ich fahre von 2565m wieder auf 1230m hinunter, um auf dem Campingplatz noch eine Nacht zu verbringen.

Am 24.4 muss ich wieder in Chiang Mai sein, um bei der chinesischen Botschaft mein Visum für den Chinatransit abzuholen. Ein Schlüsseldokument falls mich mein Weg aus Thailand raus durch China führen sollte. Alle anderen Optionen beinhalten Containerverschiffungen, auf die ich nach den Malaysiaerfahrungen gern verzichten möchte. Henry bekommt noch den dritten Ölwechsel, dann verlasse ich Chiang Mai. Ein toller Ort voller Erlebnisse – Empfehlung.

Wenn es etwas gibt, was den Norden und den Osten des Landes vom Rest unterscheidet, dann sind es die traditioneller Häuser die man in den Dörfern findet. Dabei handelt es sich nicht nur um alte Häuser, auch Neubauten werden erschaffen. Charakteristisch sind die Stelzen auf denen die Häuser stehen, meist aus Holz, aber auch Beton habe ich gesehen. Darauf eine Etage mit großer Terrasse und weit überstehenden Dächern.

Der Osten, auch „Isan“ genannt, soll das Armenhaus des Landes sein, Beweise dafür konnte ich beim Durchfahren allerdings nicht finden. Die Autos sind nicht älter oder kleiner, die Shopping Malls gut besucht, und die Menschen füllen die Restaurants wie im Rest des Landes auch. Aber natürlich erlaubt eine Momentaufnahme kein belastbares Urteil der Situation der Menschen.

Auf breiten gut ausgebauten Straßen geht es durch die Berge. Ein El Dorado für Motorradfahrer. Spektakuläre Kurven, von der eine nach der anderen folgt, kilometerlang.

Mittlerweile habe ich alle Angebote und Informationen, um eine Entscheidung zu treffen wie es weitergehen wird. Ausführlich im VLOG#031. Es wird durch China und durch die „Stan-Länder“ zurück gehen (Kirgisistan, Usbekistan und Kasachstan). Hier spare ich nicht nur enorm, sondern habe auch den größten Abenteuerfaktor. Als besonderes Highlight ist natürlich, dass die Strecke der Seidenstraße folgt. Nicht schlecht finde ich.

Vorn rechts quietscht die Bremse, wenn ich lange bergab fahre. Ich habe eigentlich alles dabei, um die Reparatur selbst durchzuführen. Aber die Preisnachfrage in einer Werkstatt, die einen extrem guten Eindruck macht, lässt den Gedanken mich selbst unters Auto legen zu müssen, schnell zur Seite legen. 4 mal Reinigen für nicht mal 11€, und ich brauch mir keine Gedanken machen, wie ich die Umwelt nicht verschmutze. Von den Werkstätten in Thailand bin ich begeistert. Auch die Sauberkeit und Sorgfalt die beim Ölwechsel angewendet wurde, war absolut klasse. Nur Filter sollte man selbst dabeihaben.  

Am Abend des 6. Mai erreiche ich den Mekong. Was für ein erhebendes Gefühl. Und mit dem Mekong auch das Ende meiner Reise in Thailand.

Wie erhofft bietet sich aber keine Möglichkeit direkt am Mekong zu campen, jedenfalls nicht ohne kilometerweit zu suchen. Die Temperaturen haben wieder lähmende 42°C erreicht, ohne den geringsten Windhauch. Das Shampoo im Schrank läuft wie Wasser aus der Packung. Alles ist aufgeheizt. In Nong Khai ist heute noch Nachtmarkt, direkt am Mekong Ufer. Ich finde ein Hotel und verbringe dort den letzten Abend in Thailand, nach 2 Monaten und mehr als 6000 Kilometer. Über die Freundschaftsbrücke Nr 1 geht es am 7. Mai nach Laos, in ein neues Land der Reise.

Was kann ich zu Thailand als Fazit sagen? Es ist das Land des Lächels, der Höflichkeit und der spürbaren Gelassenheit. Auf der anderen Seite sehr entwickelt und ordentlich. Die Nationalparks, und gerade deren Dichte im Land, sind beeindruckend und bieten immer einen guten und angenehmen Schlafplatz. Der April ist nicht unbedingt der Monat für einen Besuch. In Arabien hatte ich auch Temperaturen über 40°, aber kaum Luftfeuchte. Das war schon eine echt harte Nuss hier. Das Essen war gut aber hier hat Malaysia aufgrund der Vielfalt die Nase immer noch vorn. Thailand ist immer eine Reise wert, und man findet hier für jeden Urlaubsgeschmack den richtigen Ort.

Wiederlegen konnte ich 2 Aussagen. Nr 1, man muss Thailand immer über den Grenzübergang verlassen, über den man eingereist ist. Das wurde mir auf der Visumsstelle in Malaysia noch suggeriert. Nr. 2, man bekommt ein Chinavisum nur im Heimatland.

Schöne Bilder seht ihr wieder auf Youtube, finde ich. Wir sehen uns in Laos wieder 😊

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