BLOG 20 – Thailands Mitte

Die Fähre von Koh Samui spuckt mich und Henry wieder an Land, aufs Festland. Einem Tip folgend, fahre ich wieder ein Stück südlich, nur ein paar Kilometer. Hier soll es Strände geben, die wenig besucht sind und denen auf Koh Samui in nichts nachstehen. Ich bin dankbar und beeindruckt. Palmen, ein paar Fischer und kilometerlanger Strand.

Wie kann das sein? Was zieht die Leute auf eine sehr belebte Insel, wenn es hier Ruhe und perfekten – fast perfekten – Strand gibt? Koh Samui ist ein Name der zieht. Party und Trubel, in jedem Reisekatalog zu finden. Genieße 2 Tage am Strand unter Palmen. Aber zurück, warum nur fast perfekter Strand? Es sind die Hinterlassenschaften der sogenannten Zivilisation. Die ihren Abfall dem Meer überlässt. Das Meer spült aber den Dreck wieder an Land, will den Mist wohl auch nicht. Nicht in dem Maße wie in Malaysia, aber dennoch erschreckend. Strand säubern, ein fester Bestandteil des Campingplatzbesitzers jeden Abend. Für wie lange? Wahrscheinlich für immer, Generation um Generation. Der sorglose Umgang mit Müll begleitet mich ja seit Rumänien. Aus dem Meer und der Umwelt rauskriegen? Ein Ding der Unmöglichkeit. Ich hätte trotzdem noch bleiben können. Aber beim Blick auf die Karte sieht man, wie lang sich Thailand noch zieht. Also den Diesel zum Leben erweckt und auf die Straße gebracht. Er brummt und schnurrt wie die letzten 25000 Kilometer schon. Wir bewegen uns auf dem schmalen Streifen Thailand zwischen Golf und Myanmar.

Die Hitze im Land hat rekordverdächtige Werte angenommen, Bangkok über 40°, Phuket kratzt die 50°. Sind die Straßen dann noch breit, monoton und flach geht das mächtig an die Substanz. Ich schwitze wie bekloppt, trotz Klimaanlage. Und wenn du denkst es kann nicht wärmer werden als im Auto, na dann steig mal aus! Der schwere Mantel der Wärme umschließt mich, wieder, wie schon so oft seit Arabien. Nein gewöhnen kann man sich daran nicht.

Thailand hat nicht nur Strände zu bieten, die sind ab jetzt für lange Zeit auf der Reise nicht mehr erreichbar. Wie gut das es noch die Berge gibt, die Nationalparks in den Bergen mit ihren Wasserfällen, den Aussichtspunkten und Schatten. Zumindest nachts garantierte Erholung. Tagsüber sticht der Planet genauso, es geht nur mehr Wind. Das Meiste spielt sich daher am Morgen ab, eh die schönste Zeit des Tages. Mücken und andere Stechlinge sind nicht so aktiv wie am Abend. Ohne Mückenschutz hat man es in den späten Stunden des Tages schwer. Wunder wirken die Rauchspiralen.

Dann ist Thailand natürlich gespickt mit Tempeln. Viele Tempel schaue ich mir aber nicht an unterwegs, es ist einfach zu heiß. An vielen möglicherweise schönen Orte rausche ich vorbei. Fotos nur aus dem Auto, bloß nicht aussteigen und viel bewegen. Ja, so ist er, der April in Südost Asien, nur 2023 besonders heftig.

Zurück zu den Nationalparks. Das Land ist voll davon. Entstand irgendwo ein Staudamm, wurde direkt ein Nationalpark drumherum etabliert. Ich habe nur einen etwas runter gekommen gesehen, sonst ausnahmslos gepflegt und mit freundlichem Personal gesegnet. Sanitäre Anlagen, und oft auch Restaurants, machen die Übernachtungen angenehm. Naturpfade und Aussichtspunkte sind auch Standard. Oft habe ich nur die Nacht verbracht, was schade war, aber man kann nicht immer alles machen und mitnehmen.

Kaeng Krachan Nationalpark, Myanmar ist in Sichtweite. Nachts will ein Elefant über den Campingplatz, Keine 50m von mir entfernt. Vergess ich nie, diesen Anblick und die Bemühungen der Ranger ihn zu bewegen den Platz zu verlassen. Vom Gipfel aus, ein atemberaubender Blick ins wolkenverhangene Tal am Morgen. Ich sehe einen riesigen Doppelhornvogel (Hornbill), der 10m von mir entfernt mit Getöse in einen kleinen Baum segelt, und in aller Ruhe die roten Früchte nascht. Auf dem Weg zurück ins Tal, hunderte von Schmetterlingen, die die Flußdurchfahrten belagern. Sie nehmen die ersten warmen Strahlen der Sonne auf. An Tieren findet man hier alles von Rang und Namen. Neben den Elefanten gibt es Büffel, Tiger, Panther, Leoparden, Bären, Tapire und viele weitere Vegetarier. Allein zu wissen, das es sie hier gibt ist schon cool, auch wenn mir außer einer Antilope und den Affen kein weiterer Fellträger vor die Linse kommt.   

Im Erawan Nationalpark habe ich mich 3 Tage aufgehalten. Eine echt anstrengende, ewig lange Bergauffahrt. Der 7 stufiger Wasserfall, über mehrere hundert Meter verteilt, ist unbedingt einen Besuch wert, und rechtfertigen die Strapazen. Es sind Fälle wie gemalt – irre. Für den Weg runter wähle ich eine nicht sehr befahrene Alternative, die mich mit Fähren über Buchten des Sinakharin Stausees bringt. Nicht sehr befahren endet dann bald in kilometerlangen Schotterpisten, zu Anfang noch von mächtigem Bambus eingerahmt. Ein in die Fahrbahn stehender Ast hat vermutlich die Spannschelle des Aufstelldaches von der Karosse gerissen. Das stelle ich aber erst am Abend fest. Eine Lösung für das erste Problem hatte ich schnell zu Stelle.

Der Ort an dem ich das festgestellt habe, war ebenso malerisch wie die Wasserfälle. Nicht weit vom Eingang des Nationalparks entfernt. Ein Campingplatz am Fluss Khwae Yai. Himmlisch. Der Besitzer eine Seele von Mensch. Rasen, Schatten, Strom und alles gepflegt. Das Wasser herrlich erfrischend. Und die Sonne geht direkt über einem Tempel auf, der nur 100m weit weg ist. Bitte schön, was will man mehr?      

Zum Abschluß des mittleren Abschnitts gibt es nochmal alte Steine im Historischen Park von Aytthaya, der alten Hauptstadt des Königreichs. Tempelanlagen auf einer Insel mitten in der Stadt, ein in Wurzelwerk eingewachsener Bhuddakopf bieten wieder jede Menge Fotomotive. Es erinnert mich ein wenig an Angkor Wat in Kambodscha, nur viel kleiner.

Ich mache mich auf in den Norden. Versuche der Hitze zu entfliehen, die sich in der Stadt ohne den geringsten Wind, noch brutaler anfühlt, aber vergebens. Die Abstände in den Waschsalons bleiben kurz.

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