Thailand, ich mag die Sprache, irgendwie kindlich piepsend, immer freundlich im Klang. Immerweiter in den spektakulären Süden des Landes. Ost und West werden jeweils durch die bekannten Touristenziele Phuket und Koh Samui eingerahmt. Die Inseln mit ihren wunderschönen Stränden, den Märkten, der touristischen Infrastruktur.


Es ist aber auch ein wenig teurer, lauter und überfüllter. Trotzdem eine schöne Abwechslung für mich solche Ziele anzusteuern. Bin aber genauso froh wieder allein unter Thais zu sein. Phuket gefällt an den Küsten. Der Innenbereich der Insel ist geprägt von urbaner Struktur, mit dem Verkehr auf den man besonders achten muss.

Durch die Gegend schauend fahren ist nicht. Aber ich will nach Phuket, um Henry etwas Gutes zu tun. Nach 24000 Kilometern lasse ich die Öle des Antriebsstranges wechseln. Das Schalten wird zunehmend hakeliger, besonders zwischen 4 und 5 harmoniert es nicht mehr so gut. Und tatsächlich, die Viskosität des Getriebeöls ist dahin, wässrig geworden. Gleich beim Fahren aus der Werkstatt ist der Unterschied spürbar. Hat er sich wirklich verdient.

Der Südzipfel besticht mit seinen zahlreichen Buchten und herrlichem Wasser zum Baden.



Das finden aber auch viel Andere. Einen ruhigen Stellplatz finde ich auf einer kleine Insel keine 300m vom Meer entfernt. Der Zugang zur Insel wird allerdings um 20Uhr zugemacht. Der Schlüsselgewaltige wird auf mich aufmerksam. Kein Problem, ich kann hierbleiben, 5:30Uhr wird wieder aufgemacht. Puuh, ich hatte mir einen Plan B geschmiedet, bin aber um so froher nicht nochmal satteln zu müssen.

Die Nacht ist trotzdem unruhig, weil immer wieder Gestalten das Tor überwinden und auf dem Platz mit Taschenlampen rumstromern. Ich bleibe aber völlig unbehelligt. Morgens 7 Uhr ist der Strand schon mit den Frühschwimmern belegt. Ich drehe ein paar Runden in der Brandung, dann erwecke ich Henry zum Leben und wir kreuzen die Insel zur Ostküste. Hier gibt es einen schönen Ort mit Aussicht. Als ich dort ankomme habe ich die Chance als zweiter Gast auf einem neu eröffneten Campingplatz zu bleiben.



Ein nettes Café, 1a sanitäre Einrichtungen, ein Megablick und permanent Wind, der einen angenehmen Schlaf gewährleistet. Zur Eröffnungsfeier mit buddhistischem – und moslemischen Segen wird lecker Essen gereicht, von dem ich eine gute Portion abbekomme. Der Besitzer hat den Platz eröffnet, damit seine Frau was zu tun hat- O-Ton. Er selbst ist technischer Leiter in einem Luxusresort und wie ich elektrischer Herkunft. Wir unterhalten uns am Abend lange über Einsatzplanung, Ersatzleistung und Notfallmanagement. Ist halt überall das Gleiche. Zwischen Campingplatz und Cafe wird die Straße neu geteert. Die harte Arbeit wird überwiegend von Frauen erledigt. Auch die Teermaschine fährt eine Frau. Ich bin überrrascht.



Phuket verlasse ich wieder über den Nordwesten mit seinen kilometerlangen weißen Sandständen. Berge, ich brauche Wald. Eigentlich hat Thailand entweder Strände, oder Dschungel, dazwischen urbane Strukturen zur Versorgung. Braucht man mehr? Ja, da sind noch die Tempel. Die kleinen davon, an denen man einfach vorbei fahren würde, finde ich viel schöner als die Großen ausgewiesenen. Hier war ich oft alleine und in Ruhe.




In Khao Sok besuche ich eine Station für gerettete Elefanten. Gassi gehen mit den Großen, das stell ich mir toll vor. Durchs Teleobjektiv hab ich ja schon viel gesehen, aber Bananen in den Rüssel legen und die dicke Haut spüren, dass ist schon was Besonderes. Ein weiterer Punkt in der Bucketlist abgehakt.






Da es noch vor Mittag ist kann ich noch eine längere Etappe in Angriff nehmen. Zum Glück hat Thailand die Nationalparks. Das ist das, was ich in Arabien an Picknickplätzen immer gesucht habe, am besten noch mit einer Moschee drauf damit WC und Wasserversorgung gesichert waren. Tai Rom Yen gebe ich ins Navi ein. In den Bergen erhoffe ich mir Schutz vor der Hitze zu haben. Fluss und Wasserfall sind auch vorhanden, da kann ich den überhitzten Körper wieder auf europäische Normaltemperatur bringen.



Ich kann 2m vom Fluss entfernt campieren, das ist fast wie drin. Eine heikle sandige Abfahrt mit 90° Bogen meistert Henry gewohnt unbeeindruckt, genauso wie am nächsten Morgen bergauf. Mit aufkommender Dunkelheit verlassen auch die Einheimischen den Ort und ich bin mit dem Ranger und 2,3 anderen Campern im Zelt allein auf dem weitläufigen Gelände. Das nächste Highlight wartet, Koh Samui, die zweitgrößte Insel im Golf von Thailand. Es sind nur noch 60 Kilometer, reicht zum warm werden. Aber 3 Stunden stehe ich noch in praller Sonne bevor es aufs Schiff geht. Immer wieder starte ich während der Warterei den Motor, um die Klimaanlage zu ermutigen für Kühlung zu sorgen. 39° zeigt das Thermometer im Auto, 43°C der Außenfühler über dem Asphalt. Kein Schatten ist für die Wartenden vorgesehen. 14Uhr fahre ich den Wagen in den schattigen Bauch des Schiffes. 2 Stunden Ruhe vor der Sonne.




An Land habe ich keine Wäscherei auf der Strecke gehabt, daher wird das mein erstes Ziel sein. Ich habe nichts Frisches mehr. Verhängnisvoll, weil ich jetzt in die Dunkelheit komme und keinen Stellplatz habe. Erschwerend kommt hinzu, dass aufgrund der touristischen Attraktivität des Ortes alles verbaut ist. 2 Campingplätze soll es in den Bergen geben sagt Google Maps. Meter um Meter geht es bergauf. Die Aussicht wird immer besser, die Wege immer schmaler. Platz 1 finde ich nicht, oder erkenne ihn nicht. Platz 2 erreiche ich nicht, weil die Wegführung im Nichts endet. Ich erfahre, dass wohl beide Plätze seit Corona nicht mehr betrieben werden. Jetzt wird es eng. 20 km über wieder bergab. Beach Camping ist mein nächstes Ziel, ebenso nicht mehr da. Von den Plätzen auf Koh Samui gibt es nur noch 2 im Nordwesten erfahre ich. Oh je! Suche verzweifelt nach einem Hotel, scheint mir die letzte Möglichkeit zu sein. Ein Paar aus Deutschland spricht mich an. Mir fällt ein Stein vom Herzen, kann es kaum glauben, als sie mir sagen, ich könnte bei ihnen nebenan campieren. Und wenn du denkst es geht nicht mehr, kommt von irgendwo ein Lichtlein her.


Höre Schauergeschichten von 8m Boas hier bei den Häusern, Kobras und Spinnen. Klar hier ist Dschungel. Bewege mich vorsichtig zum Wagen der in der Dunkelheit steht. Am nächsten Tag bekommt Henry seine Aufenthaltsverlängerung, die immer nur 1 Monat gilt. Dann habe ich Zeit mir die Insel an zu schauen. Tempel an den Küsten, Strände hinter den Palmen. 5 m vor mir schlägt eine Kokosnuss mit Getöse auf den Weg, wird eingepackt. Das ist jetzt die zweite nach dem Campingplatz auf Port Dickson, die mich nur um ein paar Meter verfehlt. Man muss wirklich darauf achten. Die Unfallzahlen mit Kokosnussbeteiligung würden mich interessieren. An der Südostküste finde ich dann endlich einen tollen Stellplatz auf einem öffentlichen Strand. Ein Wahnsinns Camp, sofort die Hängematte raus.






Ach ja, die Hängematte ist fester Bestandteil meiner Aufenthalte geworden. Die Suche nach Schatten und Bäumen mit passendem Abstand ist zur Routine geworden. Am nächsten Tag fahre ich weiter auf der Küstenstraße. Dabei entdecke ich weitere potentielle Stellplätze. Es gibt sie also doch, zwischen den ganzen Resorts, Bars und Cafés, die den Zugang zum Strand erschweren. Mein Ziel für heute ist Nathan, Fähre buchen, wieder aufs Festland und der Ostküste weiter folgen.

