BLOG 17: Malaysia II – „On the road again“

Heute ist Donnerstag der 23. Februar 2023. Am 6 Februar ist Henry in Port Klang eingelaufen. Wenn jetzt nicht noch Blödes passiert, sind wir am Nachmittag wieder auf der Straße. Aber Blödes passiert, und zwar in Form einer total kaputten Starterbatterie.

Henry aus der Kiste

Zum Glück kann ich eine Überbrückung herstellen und den Wagen wieder zum Leben erwecken. Henry lässt sich auch nicht lang bitten, und beglückt mein Ohr mit dem soooo vermissten Td5 Sound, einzigartig. Es geht auf die Straße, Linksverkehr aus Port Klang raus Richtung Süden. Wie schon auf Zypern kein Problem. Ein Gefühl als fängt die Reise heute an. Bloß raus aus der Stadt, die uns so lange gefangen gehalten hat. Eine neue Batterie ist aber noch fällig, geht er aus, muss ich wieder überbrücken. Werde fündig, viel zu teuer mit 127€, aber ich bin in Not, das weiß der Werkstattbesitzer auch. Fast 160 Kilometer bis zum Campingplatz in Port Dickson. Jetzt ist nur noch die Unordnung im Auto, aber die habe ich bis zum Abend wieder in Ordnung verwandelt.

Sonne, Palmen und Strand, endlich. So ganz anders als Port Klang, als Kuala Lumpur und Melaka. Natürlich liegt es am Meer, am Strand und der Lust wieder im eigenen zu Hause unterwegs zu sein. Ja, 7m² auf zwei Etagen kann man als Haus bezeichnen. Ist alles drin! Alles hat wieder seinen Platz zurück, alles ist gewaschen. Taman Negara ist das nächste Ziel. Ein Nationalpark auf halber Strecke zur Ostküste. Endlich richtig Urwald. Auf dem Weg haben mich Plantagen für Ölsamen, Kokosnüsse, Bananen und Gummibäume begleitet. Stumm, grün und ohne Leben, so scheint es. Der Urwald ist dagegen ein Orchester aus 1000 Stimmen. Faszinierend und unheimlich, spätestens wenn es dunkel wird.

Ach ja, mit Henry falle ich wieder auf, werde wieder angesprochen. Das Foto vor Henry ist, wie schon in Arabien, wieder normal geworden. Manchmal werde ich gebeten auch dazu zu kommen, Krass, bewegt man sich in Öffies, wird man, wurden wir, fast gar nicht angesprochen. Kommt ein eigenes Fortbewegungsmittel dazu, steckt eine Geschichte dahinter. Wie, die ganze Strecke mit dem Fahrrad, dem Motorrad oder dem Auto bis hierher. Wie lange gedauert, wo lang gefahren, wo geht es weiter hin? Man ist interessant. Man hat ein Thema. Die Temperaturen sind angenehm, keine Wolke am Himmel. Der Stellplatz direkt am wilden Bach. Jetzt bin ich wieder am Reisen. Wanderung zum Wasserfall ist cool. Viel cooler sind aber die Einheimischen, die hier zelten, picknicken, baden, viel Spaß haben und einen schönen Tag verbringen. Ich bin wieder Zaungast, sauge alles auf, die Geräusche, die klare, kühle Luft, das Treiben, die ungehemmte Fröhlichkeit der Einheimischen. Gern wäre ich länger geblieben, aber Montag ist Friseurtag, da hat der Nationalpark geschlossen. Also fahre ich weiter an die Ostküste. Was für ein Reinfall. Dauerregen, Mittwoch nur 98% Regenwahrscheinlichkeit, sonst 100%. Das Schlimmste ist aber der konstant heftige Wind. Er findet alle noch so kleinen Schlitze im Auto und presst den Regen rein.

Fahre trotzdem noch 2 weitere Stellplätze an, aber es bleibt nass. Endlich kann ich mal den Kocher ausprobieren, den ich für den Innenraum vorbereitet habe.

Zu allem Überfluss verabschiedet sich auch noch der geschweißte Dämpfer. Ich finde Ersatz und repariere direkt vor Ort. Die Wetter App lässt Schlimmes befürchten. Der einzig trockene Fleck in Malaysia ist der Nordwesten, 100km nördlich von Klang bis zur Grenze Thailands. Damit ist das Ziel klar. Henry muss wieder trocken werden. Einmal die Halbinsel horizontal queren. Die Straßen sind oft tückisch überflutet, nicht nur aufgrund von Aquaplaning, sondern auch die nicht mehr sichtbaren Löcher in den Pfützen sind eine große Gefahr. Ich erreiche die Westküste, der Regen hört nicht auf. Was mich fasziniert ist wie die Einheimischen mit der Situation umgehen. Total entspannt, man wird halt nass. In Port Dickson stoppe ich. Nicht ganz so feucht. Aber kein Wind mehr, das ist wichtig. Es ist auch ein anderer Regen. Pladdern im Osten, dicke, fette, schwere Tropfen die auf alles klatschen, und die schönen Blasen in den Pfützen erzeugen. Hier im Westen eher grazil, sanft, streichelnd die Oberflächen benetzen. Man kann ja richtig über Regen philosophieren?! Ein ganzes Stück oberhalb von Klang dann endlich beständig sonniges und warmes Wetter. Abends aber ein Schauer, ich nehme es gelassen. Zeit alles wieder trocken zu kriegen, die Akkus aufzuladen. Aufpassen muss man auf die Herden von Affen, die penetrant nach essbarem suchen.

Zähnefletschend und auch vor Diebstahl aus Zelten oder offenen Türen nicht zurückschrecken. Einen Plagegeist konnte ich noch vom Dach jagen, bevor seine Zähne Löcher in meine regendichte Tasche hackten. Die Einheimischen akzeptieren auch dies, füttern die Biester törichterweise auch noch. Weiter nach Norden, immerweiter. In Butterworth treffe ich die ersten lokalen Camper mit Van.

Wir kommen sofort ins Gespräch. Fachsimpeln über dies und das, ich staune über das gewaltige Küchenequipment und die Wohnraumklimatisierung, die hinten an die Karosse geschraubt wurde. Absolut sinnvoll, tagsüber haben wir jetzt 38° und der Planet sticht wie verrückt, UV Index extrem hoch. Von Butterworth sind es 35km bis Georgetown. Die Stadt kenne ich ja bereits. Hier besorge ich mir das 3 monatige Visum für Thailand. Klappt alles. Auf dem weiteren Weg zur Grenze benutze ich das erste mal die Autobahn. Das „Batterie Ehepaar“ hatte mir noch eine Touch’n’go Karte geschenkt. Die habe ich an der Tanke aufgeladen, dann ging es los. Entspanntes cruisen auf guten Straßen. Ich spare über 2 Stunden bis zum Ziel. Erstaunt bin ich über die Rastplätze. 1a und alle Facilities rund um die Uhr. Hier lässt sich zur Not auch prima übernachten. Die Landschaft ändert sich. Riesige Gummibaumplantagen, weniger Palmen und Karstberge, die habe ich hier nicht erwartet. Ich lande auf einem Campingplatz am See Empangan Timah. 3€ kostet die Übernachtung pro Tag.

Habe noch viel zu tun bevor ich das Malaysia Kapitel schließe und das Land des Lächels ansteuere. Nach fast 8 Wochen in Malaysia sind es noch 30 Minuten bis Thailand.

Was Henry und ich erlebt haben, gibt es in Farbe wieder hier bei Youtube 😊  

2 Antworten auf “BLOG 17: Malaysia II – „On the road again“”

  1. Grüße aus Bayreuth. Claudia und ich verfolgen mit Spnnung deine Reise mit Henry. Freuen uns schon auf deinen nächsten Blog. (Wir hatten uns im Sept.23 in Gölbasi/Ankara getroffen.

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