BLOG 14: Oman und das Ende der Reise in Arabien

Oman, das bekannte Sultanat auf der arabischen Halbinsel. Ziel und Abschluss des zweiten Abschnittes meiner Reise. Ach, wie hat sich die Landschaft verändert seit ich durch das bergige Gebiet zwischen Dubai und dem Omanischen Golf unterwegs war. Es wurde hügelig und immer mehr Bewuchs je näher ich dem Meer kam. Das wievielte Meer ist es eigentlich? Muss ich mal in Ruhe durchzählen. Die Hafenstadt Kalba in den Emiraten ist der letzte Ort vor dem Oman. Ein Visum habe ich nicht abgeschlossen. Mit dem deutschen Pass in der Tasche darf ich 14 Tage visumsfrei einreisen. Hat auch alles wunderbar geklappt. In Rekordzeit von unter einer Stunde war das gesamte Prozedere der Aus- und Einreise erledigt. Na bitte, geht doch. Es ist 10 Uhr, Muscat, die Hauptstadt, kann ich noch erreichen. Das erste was mir auffällt, ist das sehr dünne Versorgungsnetz auf den Autobahnen. Nicht wie bei den Saudis, wo ich alle 15 Kilometer kühles Wasser zapfen konnte. Nichts, nicht mal einen Kaffee gibt es hier. Die Landschaft entschädigt jedoch. Kleine Bäume und Buschwerk, viele, viele Wadis und im Hintergrund die Bergkette, die sich noch bis Muscat hinziehen soll. Oman gefällt mir jetzt schon. Dann finde ich doch noch eine Raststätte die alles zu bieten hat, vom Glauben, den Glauben an den Sprit und ich glaub es gibt auch Kaffee. Ach genieße die Tasse und studiere die Karte. Wie? Nicht weit von hier ist ein Campingplatz eingezeichnet. Das will ich mir anschauen. Also biege ich links ab, bis es nur noch am Strand weitergeht. Ach herrlich, das werde ich vermissen, direkt am Strand die Nacht vergrunzen.

Aber Pustekuchen, hier heißt Campingplatz, das Leute hier übernachten, verteilt am Strand. Keine Einrichtungen oder dergleichen, nichts, einfach nur ein Stück Strand. Es ist bestätigt, es gibt keine Campingplätze auf der Arabischen Halbinsel.

Die letzten Campingplätze gab es in Griechenland, das was wir darunter verstehen. Der Ort ist trotzdem genial. Ich stelle mich zu einem jungen Päärchen aus Hamburg. Muscat, am nächsten Morgen sind noch knapp 50 Kilometer zu fahren. Katzensprung. Die Hauptstadt des Oman ist mir sofort angenehm. Keine Hochhäuser, dafür viel Fläche. Die Stadt schmiegt sich an die Hänge, in die Ausläufer, bis ans Meer. Weiße Häuser vor brauner Naturwand aus Fels.

Erstmal Rundfahrt und Stellplatz scouten. Rasch finde ich 2 Kandidaten. Aber da gibt es noch einen potentiellen Platz am Fischerhafen etwas außerhalb vom Altstadtzentrum. Der wird es dann auch. Sache geklärt,

jetzt schau ich mir die Altstadt an. Der Souq öffnet in einer Stunde, nehme ich natürlich mit. Obwohl es wieder so sein wird, dass mich jeder in seinen Stand ziehen will, und ich Dinge kaufen soll, die ich nicht brauche. Trotzdem cool und unterhaltsam.

Den Abend beschließe ich mit Humus und Weißbrot ohne Rotwein an meinem Stellplatz – herrlich. Ich wollte früh raus, zum Fischmarkt, der um 6Uhr seine Pforten in der Altstadt öffnet. Ich schlafe aber nochmal ein und bin dann gegen 8Uhr da. Aber immer noch interessant. Besonders die Ecke, in der man sich seinen frisch erworbenen Fisch filietrieren lassen kann. Unglaublich mit welcher Geschwindigkeit und Präzision die scharfen Messer durch den Fisch geführt werden und die Filets herausschneiden. Gelernt ist eben gelernt, echtes Handwerk.

Die Moscheen als Orte der Ruhe und Architektur haben es mir angetan. Und natürlich hat auch Muscat ein solches Bauwerk. Diesmal aber Sandstein, was Besonderes. Als Nichtmuslim darf ich hier auch außerhalb der Gebetszeiten in das Allerheiligste, den Gebetsraum. Riesig, Teppich, Marmor und Stille.

Am Nachmittag fahren wir noch bis Bimmah. Hier gibt es eine große Absenkung in der Ebene, die sich mit Wasser gefüllt hat und zum schwimmen einlädt. Jetzt nicht das Highight der Reise, aber trotzdem interessant. Zumindest an einer Seite des Loches scheint es weiter in den Fels zu gehen, vielleicht in ein unterirdisches Labyrint aus Zuflüssen und Kanälen?

Die Antwort kann mir aufgrund Abwesenheit von Wissenden nicht gegeben werden. Mit dieser offenen Frage im Kopf begebe ich mich wieder an den Strand, der Platz, den ich mir als Herberge für die Nacht ausgesucht habe. Das Rauschen der Wellen, das Klatschen der Wassermassen am Strand, dieses unglaublich beruhigende Geräusch wenn die Kiesel mit dem zurückgehenden Wasser mitgenommen werden, das hat es mir angetan.

Eine abenteuerliche Fahrt bringt mich hoch ins Wadi Mibam. Rauf und runter, steil, richtig steil bergan, dann wieder in einer Kehre ein paar Meter nach unten.

So geht es für über eine Stunde. An einer sehr steilen Stelle kommt mir ein Wagen entgegen. Mist! Der Depp steht erst einfach da und schaut mir zu. Ich muss den Schwung rausnehmen, da er keine Anstalten macht rückwärts zu fahren. Ich kriege Puls. Trete auf die Bremse, der Wagen rutscht, ziehe die Handbremse an, der Wagen rutscht nach links hinten. Puls und schwitzen. Jetzt steigt einer aus und lotst den Fahrer rückwärts in eine Bucht, warum denn bitteschön nicht gleich so? Ich muss in die Untersetzung schalten. Der Weg ist durch einen feinen Staubfilm sehr glatt. Die Reifen drehen sofort durch. Handbremse ist immer noch voll angezogen. Mit schleifender Kupplung und Vollgas stottern wir uns Meter um Meter nach oben. Die Kupplung riecht. Aber wir schaffen es. Hinter uns geht es steil bergab, Glück gehabt würde ich sagen.

Wadi Mibam ist eine Vorzeigeoase. Fruchtbares Tal, das seine Existenz einem Bach mit Wasserfall zu verdanken hat.

Der Weg hat sich also doch gelohnt. Die Abfahrt zurück an die Küste und wieder abenteuerlich. Man kommt aus einer anderen Richtung und alles sieht anders aus. Nur die schmale Straße ist geblieben. Übrigens wieder ein gutes Beispiel für die optimale Größe die der Henry hat. Unimog? Kannste vergessen, obwohl der sonst alles kann. Weitere Highlights warten. Strand der Wasserschildkröten. Ein echt bewegender Moment mit garantiertem Erinnerungspotential steht mir bevor. Stockduster, du ahnst nur was dich erwartet, weißt es aber nicht. Schemenhaft taucht der mächtige Rücken im Loch auf. Das rote Licht geht an, und dann werden die ganze Größe des Tieres und seine beschwerlichen Bewegungen sichtbar.

Ein Wow Moment. 10 Leute plus Scout stehen staunend da. Natürlich knipst wieder einer mit Blitz, und sofort verharrt dies urzeitliche Tier in der Bewegung. Weißlich lenkt sie massiv ab. Den frisch geschlüpften macht das weiße Licht nichts, sie folgen dem Schein. Aber die armen Kerle, nur 2 von Tausend werden den Weg überleben, und zurückkehren an den Strand der Geburt, um den tausende Jahre alten Rhythmus der Natur Folge zu leisten und als Weibchen Eier in die gebuddelten Löcher zu legen. Wehrtürme und Forts gibt es hier an jeder Ecke. Eines der Bedeutensten ist das Bahle Fort.

Ein Klotz aus Lehm über der Stadt, bestens restauriert, unbedingt anschauen, wenn man hier ist. Jetzt fehlen mir nur noch Berge. Wie schön, dass es von Bahle zum Jebel Shams nicht so weit ist. Da ist er auch wieder der Pulverstaub, der alles verhüllt und in jede Ritze dringt. 30 % der Strecke zum Gipfel sind Schotter und dieser Staub. Aber was für eine Aussicht. Der Grand Canyon vom Oman. Was für eine Schlucht – Hammer. Das ist es, mein Highlight vom Oman. Und die lustigen Ziegen sind auch hier.

Seit dem Viehmarkt in Saudi Arabien hab ich sie ins Herz geschlossen, die sind so cool, echte Comedians. Der Morgen oberhalb der Schlucht verschlägt mir den Atem. Mit viel Kraft schafft es die Sonne die Wolken aus dem Tal zu vertreiben.

Die letzten Schwaden ziehen von dannen oder lösen sich auf, als ich zu meiner Wanderung auf dem Balcony hiking trail aufbreche. Die Drohne hat es nicht geschafft, die Dimensionen an Höhe und Tiefe ins Bild zu rücken. Es ist zu gewaltig. Auf halber Höhe führt der Weg entlang der Schlucht. Hammer!

Die meiste Zeit geht man allein, kann die Wirkung und die Faszination des Ortes auf sich wirken lassen. Leider war es das auch schon im Oman. Henry muss in die Kiste, mein Flug nach Sri Lanka ist gebucht. Oman, das verspreche ich dir, wird nochmal auf meiner Reiseliste stehen, dann aber das ganze Land und in Ruhe.

Bewegtbild? Natürlich hier: YouTube

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