Nee, ne, zurück nach Griechenland hab ich gedacht, Reisekasse strapazieren, Umwege fahren, Strecken womöglich doppelt bereisen, also alles negativ. Das war der erste Eindruck, nachdem die Entscheidung gefallen war. Keine Wahl anders nach Israel zu kommen. Aber wo es dunkel ist, gibt es auch Licht. Was hätte ich nur ohne diese Erlebnisse gemacht? Kos und Peloponnes haben im Nachhinein den Trip sehr bereichert.
Der Kanal von Korinth beispielweise. Was für eine Leistung, so ein Ding aus dem Fels zu buddeln. Es ist ja nicht wie heute, da wird mal eben ein Tunnel unter dem Ärmelkanal gebohrt, und es ist nur eine Frage des Geldes. Das es technisch möglich ist wird nicht bezweifelt. Vor 140 Jahren ein unglaublich mutiger Schritt, 6,5km weit und 84 m tief zu graben. Das habe ich mir gedacht, als ich davor stand und in die 6 Kilometer lange Rinne schaute. Eine kurze Auszeit aus der Realität genommen, und mir vorgestellt wie das wohl war, 1881 und davor?! Wie lange hat es wohl gedauert, bis der erste Spaten sich in den Boden grub? Die Geschichte des Bauwerks hab ich auf die todo Liste geschrieben, da will ich mehr von erfahren.

Die aus Naturstein gebauten Häuser auf der Peloponnes Halbinsel haben mich auch extrem beeindruckt. Irland in warm kam es mir in den Sinn. Bei den Leerständen die ich gesehen habe, ging unmittelbar mein Planungs- und Spinnzentrum im Mittelhirn ans Werk, logisch und kreativ zu gleich. Was kann man hieraus machen? Was kostet das wohl? Wie lange dauert es wohl griechisch zu lernen? So muss das sein. Alles richtig gemacht.

Aber auch die Insel Kos, so klein, so vielfältig, mit der niedlich, kleinen Hauptstadt gleichen Namens ohne Hektik. Ich hab mich sehr wohl gefühlt, nicht nur an meiner Bucht Kavla. Was für ein Erlebnis, was für eine wilde Bucht, und kein Mensch da. Das gibt es doch gar nicht!
Die Mania Halbinsel setzte dann allem die Krone auf. Das „Turmdorf“ Vathia, fast alles stand leer, unbegreiflich für mich. So eine Aussicht, so eine Lage, was für ein Potential.


In die Ruinen geschaut, waren die Räume teils noch möbliert, was ist hier passiert? Es gab leider keine Touriinfo, um die Lösung des Rätsels zu bekommen.

Bergauf, bergab, um die Bucht, da schon die nächste, scheinbar noch blauer, noch schöner. Man wird irre, kann sich kaum noch auf die schmale Straße konzentrieren. Ein Moment der Unaufmerksamkeit, und schwupp, Reise kaputt. Also bitte – Konzentration.


Dann bin ja auch noch durch die Bergwelt zwischen Kalamata und Sparta gefahren. Alter, war das schön. Herbstlich, sehr angenehme Temperaturen, und dann die kleinen Dörfer. Einzelne Häuser klebte wie Schwalbennester am Fels. Tavernen, zusammensitzende Männer, ja es waren immer die Männer, die schwatzten und ihre tägliche Ration Ouzu zu sich nahmen. Auch hier alles aus Naturstein und Holz, was für Bild. Die Liste „wo ich unbedingt nochmal hin muss“ wird immer länger.

Zum Glück hab ich meinen Youtube Kanal, für den ich immer alles zeitnah zusammenfasse. Ansonsten würde alles in einem Terabytedatengrab verschwinden. So habe ich immer schöne Abschlüsse der einzelnen Strecken.
In Lavrio, dem letzten Stellplatz in Griechenland, habe ich mich mit dem Platzwart Leftevis angefreundet. Begeisterter Harpunenfischer, der mir von 1m großen Schildkröten erzählte. Hätte ich so gern gesehen, war mir aber nicht vergönnt. Es war ja auch viel zu tun mit der Verschiffung von Henry. Das erste Mal für mich, das ich so etwas zu organisieren hatte. Ausbau der Kompetenzen sag ich nur 😊. Sein selbstgebrannter wird mir in Erinnerung bleiben. Genauso wie die lecker Bäckerei, deren Duft beim Betreten mir noch in der Nase liegt.


Das bewegte Bild, wisst ihr ja mittlerweile, gibt es hier – Youtube.
In Lavrio sind 80 Tage um, 10500km ist Henry älter. Jeder Kilometer hat sich gelohnt. Sehr positiv blicke ich auf diesen ersten Abschnitt zurück. Aber ich glaube, jetzt geht die Reise erst richtig los, wenn es in die arabischen Länder geht. Seit weiter mit dabei, würde mich freuen!
Ach ja, der Ort für die Rente? Peloponnes ganz sicher auf der Liste. 🙂

