Wenn du mich fragst, was mir bei Rumänien als Erstes einfällt, dann ist die Ursprünglichkeit in den Bergen, in Siebenbürgen. Die kleinen Dörfer, geprägt von Selbstversorgung und Natürlichkeit. Familien, die Abends auf den Bänken im Schatten ihrer kleinen bunten Häuser zusammenkommen, erzählen und dem Treiben auf der Straße zuschauen. Das ist Rumänien für mich, ein kleines Stück Zeitreise. Dabei habe ich nicht den Eindruck gewonnen, die Menschen sind in ihrer Situation gefangen und unglücklich. Im Gegenteil, viel Zufriedenheit hab ich wahr genommen. Fragst du Henry, wird er sich an die Quälerei in den Karpaten erinnern.

Rauf und runter, rauf und runter, Kehre um Kehre. Warm ist ihm geworden, dankbar um jede Pause, die wir ihm gegönnt haben. Die zahlreichen Kilometer auf Schotter und unbefestigten Straßen hat er klaglos weggesteckt. Eine Traumlandschaft. Dann sind wir in die Städte und Dörfer gekommen. Hermannstadt (Sibiu), Schäßburg (Sighisoara), Deutsch-Weißkirch (Viscri) und die Dörfer die wir auf dem Weg durchfahren haben – phantastisch. Auch ein Stück deutscher Geschichte. Seit dem 12. Jahrhundert gibt es hier eine deutsche Minderheit, die Siebenbürger Sachsen, die der Region auch ihren Namen gegeben haben.

Wiedererkennbar in Architektur und Sprache. Rumänien war bisher auch das günstigste Land der Reise. Gut festzumachen an den Dieselpreisen, der hier bei 1,72€ lag. Im Schnitt 10l / 100km hat sich Henry davon gegönnt, das geht! Wir haben nur einen kleinen Teil gesehen. Aber eins steht fest, allein für das Donaudelta wird es bestimmt nochmal einen Weg hierher geben. Die Landschaft wird wieder flacher, Agrarland, Sonnenblumenfelder und Mais sind vorrangig zu finden. Wir nähern uns der Donau und damit dem Grenzübergang nach Bulgarien. Wir müssen hunderte Kilometer Umweg in Kauf nehmen, weil der Grenzverkehr nur über die Brücke in Calafat möglich ist, die Fähren fahren nicht. Vermutlich nicht ausreichend Wasser in der Donau. An Schlangen von LKW’s fahren wir vorbei, kilometerlang an beiden Seiten der Grenze. Kontrolle der Papiere, dann sind wir in Bulgarien. Es fängt an zu regnen, dann zu gießen. Henry quält sich wieder in die Bergen. Wir müssen weiterfahren, immerweiter, an Rast ist nicht zu denken. Trocken wird es kurz vor Plovdiv. Kurz vor der Stadt campieren wir in den Weinbergen und sind fasziniert vom Unwetter in den Bergen mit Blitz und Donner.

Bulgarien ist Transitland, aber eine Stadt wollen wir uns anschauen. Wir entscheiden uns gegen Sofia und erkunden Plovdiv, der ältesten Stadt Europas. Goldrichtig war die Entscheidung. Wir schlafen eine Nacht nicht im Auto, stattdessen finden wir ein Guesthouse direkt in der Altstadt für 36€ + 2€ Parkgebühr. Besser geht es nicht. Von Plovdiv waren wir geflasht. Schaut es auch im Youtube Video an, und kommt unbedingt hierher, wenn ihr Bulgarien besucht.

